Unterwegs für mehr Klimafairness auf der COP in Dubai

Unterwegs für mehr Klimafairness auf der COP in Dubai

Geschrieben von: Charlotte Lonitz

FairActivist Arthur‘s Erfahrungen von der 28. UN-Klimakonferenz

1: Das Expo-City Gelände der COP28 in Dubai

In Dubai, wo Tradition und Innovation aufeinandertreffen und Wolkenkratzer sich künstlich aus der Wüste erheben, öffnete sich für mich eine Tür zu einer Welt im Wandel. Als FairActivist und Delegierter für Fairtrade International tauchte ich vom 30.11. bis 07.12.23 eine Woche lang ein in die Stromschnellen der 28. UN-Klimakonferenz, einem Schmelztiegel von Hoffnungen, Ideen und Interessenskonflikten, angetrieben von der dringenden Notwendigkeit zu handeln.

Dieses Abenteuer führte mich weit über die Grenzen meines gewohnten Horizonts hinaus. Ich stand vor der Herausforderung, nicht nur die Forderungen von Fairtrade zu vertreten, sondern auch tiefer in die komplexen Gewässer der globalen Klimapolitik einzutauchen. In den labyrinthartigen Gängen von Expo City, dem Tagungszentrum, traf ich auf Menschen aus allen Ecken der Welt – Diplomat*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Entscheidungsträger*innen.

Fairtrade‘s Rolle

Fairtrade betonte die Wichtigkeit nachhaltiger Praktiken in der Landwirtschaft und Produktion zur Bekämpfung des Klimawandels. Insbesondere die Produzent*innen, die wir bei ihren Präsentationen und Redebeiträgen vor Ort unterstützt haben, lieferten unschätzbare Einblicke in ihre Lebensrealitäten und Lösungsansätze zur Unterstützung von Kleinbäuer*innen, welche oft besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Wir unterstrichen die Notwendigkeit, Emissionen innerhalb der Produktionskette zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensbedingungen der Produzent*innen zu verbessern. Denn faire Handelspraktiken kommen nicht nur Menschen direkt zugute, sondern leisten auch einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag zu den globalen Klimazielen.

2: Arthur mit Fairtrade-Vertreter*innen,
Aktivist*innen und Bäuer*innen aus
dem Globalen Süden

3: Auf einem der vielen Side-
Events von Zivilgesellschaft
und Wissenschaft

Was wurde erreicht?

Bereits zu Beginn der Konferenz sagten die Vereinigten Arabischen Emirate zusammen mit Deutschland 200 Millionen Euro für den Ausgleich von Klimaschäden und -verlustein besonders verwundbaren Staaten zu. Damit übernehmen erstmals auch Ölnationen aus dem Nahen Osten neben dem Globalen Norden Verantwortung für ihre verursachten Klimaschäden. Ebenfalls wurde unter Leitung der EU ein Bündnis von 118 Staaten zur Verdopplung der Energieeffizienz und eine Verdreifachung der erneuerbaren Energien bis 2030 geschmiedet. Mit der Abkehr von fossilen Energieträgern im Abschlusstext der Konferenz ist unbestreitbar ein Schritt in die richtige Richtung getan – jedoch wäre ein konsequenter Ausstieg notwendig gewesen, um die Pariser Klimaziele erreichbarer zu machen. Ebenfalls wurden erneut technische Lösungen als Ausweg aus der Krise betont. Dieses Verlassen auf bisher nicht existierende Technologien könnte jedoch die Nutzung fossiler Brennstoffe auf unbestimmte Zeit verlängern.

Die Bedeutung der UN-Klimakonferenz

Die UN-Klimakonferenz ist mehr als ein Gipfeltreffen. Sie ist in Zeiten von völkerrechtswidrigen Kriegen und Krisen ein Zeichen für die Sinnhaftigkeit des Multilateralismus und des gemeinsamen Miteinanders. Hätte die Konferenz in einer Ära der Videokonferenzen auch digital und somit klimaneutral stattfinden können? Meiner Meinung nach nicht. Denn inmitten ihrer Vielfalt kamen die spannendsten Ereignisse oftmals spontan zustande. Über eine befreundete Leiterin eines Abgeordnetenbüros konnte ich mit Ursula von der Leyen im Vier-Augen-Gespräch über fairen Handel und Kleinbäuer*innen sprechen, ebenso mit Jens Stoltenberg, dem NATO Generalsekretär. Bei einem Essen mit der deutschen Delegation konnte ich Svenja Schulze, die mir gegenübersaß, Fragen zu ihrer 100-Millionen-Euro Zusage zum Loss and Damage Fund stellen. Mit der ARD sind wir nur in Kontakt gekommen, weil sie Aktivist*innen in den Gängen über ein bestimmtes Thema haben sprechen hören, und die Gespräche mit deutschen Abgeordneten aus dem Auswärtigen Ausschuss hatten ihren Ursprung in einer gemeinsamen Mittagspause gefunden. So absurd es klingt – Politik wird oftmals zwischen Tür und Angel gemacht. Und jede Regierungsspitze weiß, dass persönliches Erscheinen oder Nicht-Erscheinen eine Message über die Ernsthaftigkeit ihrer Anliegen an alle anderen sendet.

4: FairActivist Arthur setzt mit
EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen ein Zeichen
für #Klimafairness

Meine Lektionen

Was habe ich gelernt in dieser turbulenten Welt der Klimadiplomatie? Dass der Weg zu einer nachhaltigen Zukunft nicht nur aus technologischen Innovationen besteht, sondern aus einem tiefgreifenden Wandel in unseren Denkmustern und Handlungen. Dass die bloße Anerkennung der Krise nicht bedeutet, dass Menschen auch zu entsprechendem Handeln bereit sind und es leider noch viele Konferenzen und Abschlusspapiere benötigt. Dass die Macht der Einzelnen in der Fähigkeit liegt, Veränderungen zu bewirken – und dass Fairtrade nicht nur ein Etikett auf Produkten ist, sondern eine Brücke zum Globalen Süden, eine vereinte Stimme für sonst unterrepräsentierte Produzent*innen und schlussendlich zu nachhaltigerem Klimaschutz beiträgt.

 

 

Blogbeitrag EU Switch Asia / Indienreise Daniela Okt. 23

Blogbeitrag EU Switch Asia / Indienreise Daniela Okt. 23

geschrieben von: Daniela Aichmann, 02.01.2024

Im Oktober 2023 machte ich mich auf den Weg nach Neu Delhi, Indiens Hauptstadt. Sie ist Schauplatz der allerersten Fairtrade India Konferenz und Verleihung der Fairtrade Awards! (Fairtrade India)

Ko-finanziert von der Europäischen Kommission (EC) im Rahmen des „Switch Asia“ Projektes kamen für 2 Tage ca. 150 Gäste zusammen, vor allem indische Stakeholder*innen aus der Fairtrade Bewegung, um sich auszutauschen, spannende Ideen und Erfahrungen zu teilen und auch ein bisschen zu feiern (Fairtrade in India: Sustainability, Markets and Impact Conference and Recognition Event 2023: More than 150 delegates and 50 speakers attended this event and gained meaningful insights at the conference held at New Delhi, India! – Fairtrade Network of Asia & Pacific Producers (fairtradenapp.org) Für mich war es unglaublich inspirierend, aus „erster Hand“ von Produzent*innen aus ganz Indien zu hören, welche Bedeutung Fairtrade für sie ganz konkret hat und welchen Unterschied das für die Menschen vor Ort macht! Sei es die Förderung von Frauen in Kooperativen, Unterstützung bei der so nötigen Anpassung an Klimawandelfolgen oder der Einsatz moderner Technologien auf Farmen (smarte Wetterstationen, GPS, Drohnen…).

Dank der Förderung der EC werden mit dem Switch Asia Projekt über 4 Jahre indische Baumwollbäuerinnen und -bauern bei umweltfreundlicheren Produktionsmethoden unterstützt – Stichwort CO2- Fußabdruck – und gleichzeitig Bewusstsein für nachhaltige Baumwolle bei europäischen Fashion Brands geschaffen. Dies mit dem Ziel, langfristig mehr nachhaltige (faire, biologische) Baumwolle aus Indien (der größte Bio- Baumwollproduzent der Welt) auf dem europäischen Markt verfügbar zu haben.

 

 

 

 


Fairtrade- zertifizierte indische Produkte

auf dem indischen Markt.

Im Anschluss an das intensive Netzwerken und die tolle Feier zur Verleihung der Fairtrade Awards (siehe Foto) ging es für mich weiter in Richtung Süden in den Bundesstaat Telengana, wo ich in Begleitung meiner Kolleg*innen von Fairtrade NAPP, der Fairtrade Produzierendenvertretung in Asien, Menschen am Anfang der Lieferkette kennenlernen durfte!

In allen besuchten Orten wurden wir unfassbar herzlich willkommen geheißen (mit musikalischen und tänzerischen Darbietungen, in festlicher wunderschöner traditioneller Kleidung der Baumwollbäuerinnen usw.) und konnten hautnah erleben, wie die indigenen Bäuerinnen und Bauern leben, wie der biologische Baumwollanbau funktioniert und welch große Herausforderungen die Menschen täglich bewältigen!

Die Eindrücke, die ich auf Baumwollfeldern sammeln durfte, werde mir definitiv noch lange in Erinnerung bleiben! Man bekommt eine leise Ahnung davon, was es heißt, diese harte Arbeit auf den Feldern in der brennenden Sonne (subtropische Zone!) zu verrichten, die manuelle Arbeit, die der biologische Anbau verlangt (zur Schädlingsbekämpfung werden etwa Insektenfallen aufgestellt und Larven von Schädlingen eingesammelt), die großen Schwierigkeiten, die veränderte Wetterbedingungen mit sich bringen („wenn Regen für das Wachstum der Baumwollpflanzen dringend gebraucht würde, bleibt es trocken – und ausgerechnet kurz vor der Ernte im Herbst/ Winter, wenn es trocken sein soll, regnet es“). Aus erster Hand wurde mir im Gespräch mit den Bäuerinnen und Bauern erklärt, wie stark sie hier die Folgen des Klimawandel zu spüren bekommen! Und das, obwohl sie selbst kaum mit CO2 Ausstoß zu dem Veränderungen beigetragen haben!

Fairtrade verbessert die Situation der Farmer*innen, wovon ich mich vor Ort selbst überzeugen konnte! Mit Mitteln aus der Fairtrade Prämie, ein Aufschlag, den die Menschen zusätzlich zu den Erlösen aus der Baumwolle bekommen, konnten die Dorfgemeinschaften etwa Bio- Gemüsegärten und Sanitäranlagen für Schulkinder errichten. Anderswo wurden aus diesen Geldern Lagerhäuser für die geerntete Baumwolle finanziert, die den Bäuerinnen und Bauern mehr Sicherheit (trockene Lagerung) und Flexibilität (beim Verkauf der Ernte) bieten oder z.B. ein Trainingscenter für Bäuerinnen und Bauern eingerichtet, das für Weiterbildungen zu nachhaltigen Anbaupraktiken genutzt wird. Auch die Anschaffung von solarbetriebenen Straßenlaternen für das Dorfzentrum aus Fairtrade Geldern verbessert unmittelbar die Situation der Menschen vor Ort und sorgt für mehr Sicherheit nach Sonnenuntergang.

Vor Ort wird in den Kooperativen demokratisch entschieden, was am dringendsten gebraucht wird und wo die Prämiengelder investiert werden. Es war deutlich zu spüren, dass hier ein für Konsument*innen in Deutschland vielleicht manchmal abstraktes Siegel für die Menschen am Anfang der Lieferkette einen ganz entscheidenden Unterschied macht! Die Bäuerinnen und Bauern entscheiden selbstbestimmt und gemeinsam über ihre Zukunft!

Neben den vielen Begegnungen mit inspirierenden, wunderbaren Menschen und den Einblicken in eine wahnsinnig spannende Kultur bleibt vor allem die klare Überzeugung: Fast Fashion muss ein Ende haben – jetzt!