Kleidertausch, Filmstudio und faire Mocktails

Kleidertausch, Filmstudio und faire Mocktails

Bei der Fairtrade-Schüler*innen-Akademie in Neuss wird die Landesgartenschau zum Lernort für globale Gerechtigkeit

Wo sich Schüler*innen ihr Wissen über Kinderrechte per Stop-Motion-Film aneignen, wo über Fairtrade nicht aus Schulbüchern sondern im Gespräch mit einem kolumbianischen Kaffeebauern gelernt wird und wo Jugendliche ihre eigene Kampagne für Geschlechtergerechtigkeit entwickeln – da werden Erfahrungen fürs Leben gemacht. Und genau das hat am 9. Juni in NRW stattgefunden. Genauer: in Neuss. Und ganz genau: auf dem dortigen Landesgartenschau-Gelände.

Dort kamen rund 120 Schüler*innen aus 14 Schulen NRWs zur Fairtrade-Schüler*innen-Akademie zusammen. In Kooperation mit dem Landesprogramm Schule der Zukunft blieben einen Tag lang die Schulbücher im Ranzen. Stattdessen standen fairen Handel und globale Gerechtigkeit auf dem Stundenplan – aber so ganz anders als im klassischen Schulalltag: In sechs Workshops für die Schüler*innen und einem weiteren für die Lehrkräfte wurde gebastelt, diskutiert, gebrainstormt und sich ausgetauscht.

Die Schülerinnen entwerfen ein Konzept für ihren Stop Motion-Film.

Von Kampagnen bis Stop-Motion: Kreativ für fairen Handel

Wie man bestmöglich Netzwerke ausbaut und sich im Engagement für fairen Handel austauscht, diskutierten die Teilnehmenden im Workshop „Team Up!“. Sogar noch einen Schritt weiter ging der Workshop „Raise Your Voice – Kampagnen für den fairen Handel und an deiner Schule“: Dort entwickelten Schüler*innen ihr eigenes Kampagnen-Konzept, inklusive Zielgruppen- und Kanal-Definition, kreativem Konzeptposter nebst Stickern und Buttons für die Aktivierung. Im Film-Workshop „Und Action“ in Zusammenarbeit mit der Kindernothilfe wurden die Schüler*innen zu Regisseur*innen: Sie drehten kleine Stop-Motion-Filme, um sich dem Thema Kinderarbeit in Produktionsketten anzunäher.

Mitmachen, hinterfragen, vernetzen

Beim Kleidertausch konnte aussortierte Kleidung gegen neue getauscht werden.

Ganz viel Aktivität für alle gab es bei „Fairness in Action“: Ob es darum ging, seinen Look beim Kleidertausch zu verändern, faire Mocktails zu probieren oder das eigene Fair-Handels-Wissen per Quiz zu testen: Die ganze Schüler*innenakademie war eingeladen, an den Aktivitäten der Gruppe teilzuhaben. Bei „Listening and Leading“ setzte sich die Gruppe kritisch mit kolonialen Kontinuitäten auseinander und dem Machtgefälle zwischen dem ‚globalen Norden‘ und den Ländern des ‚globalen Südens‘. Das machten sie nicht allein, sondern suchten dabei das Gespräch mit einem Kaffeebauern aus Kolumbien, der sie über seine Arbeit, Herausforderungen und Mehrwert von Fairtrade informierte. Und dass auch heimisches Gemüse nicht immer den kleineren CO2-Fußabdruck hat, das diskutierten die Teilnehmenden des Workshop „Wurzeln und Wege – Vom Acker zu Globaler Gerechtigkeit“.

Schüler*innen beim Workshop „Wurzeln und Wege“ im grünen Klassenzimmer der Landesgartenschau.

160 Köpfe, ein Ziel.

160 Köpfe mit Ideen, Engagement und Lust, sich selbst einzubringen. Die Schüler*innen-Akademie ist ein Ort, der genau hierfür Raum schafft. Für das große Engagement der Schülerinnen und Schüler gab es viel Wertschätzung von der Landrätin des Rhein-Kreis-Neuss Katharina Reinhold sowie von Dr. Steffen Leibold, der beim Schulministerium NRW für Bildung für nachhaltige Entwicklung zuständig ist.

Die nächste Schüler*innen-Akademie findet am 17. September in Osnabrück statt.

Leben vom Kakao: Théodores Alltag in der Kooperative

Leben vom Kakao: Théodores Alltag in der Kooperative

Wenn Théodore Koffi Kouakou seinen Tag beginnt, schlafen viele im Dorf noch. „Früh am Morgen stehe ich auf, wasche mich, nehme meine Machete und gehe auf mein Feld, um zu arbeiten“, erzählt er.

Kakaobauer Théodore Koffi Kouakou

Seit 19 Jahren ist Théodore Mitglied der Kooperative ECOJAD in der Region um Daloa in Côte d‘Ivoire. Dort lebt er mit seiner Familie: mit seiner Frau Agnes und seinen drei Kindern – Yoann, Ezechiel und Naomie. Sein Alltag ist geprägt von Verantwortung, für seinen Kakao und für seine Familie.

Vom Kakaobaum bis zum Verkauf: Arbeit in der Erntezeit

Sein Feld ist 4,63 Hektar groß – groß genug, dass die Arbeit nie ausgeht. Welche Aufgaben anstehen, hängt von der Saison ab. In Côte d‘Ivoire gibt es zwei Erntezeiten: die große Ernte von etwa Oktober bis März und eine kleinere von April bis Juni. Besonders in diesen Phasen ist die Arbeit intensiv: Kakaoschoten werden geerntet, geöffnet, die Bohnen fermentiert und anschließend getrocknet. Jeder dieser Schritte erfordert Zeit, Erfahrung und viel Handarbeit.

Wie die Kooperative Théodores Leben prägt

Die Kooperative spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie organisiert den Verkauf und unterstützt die Produzent*innen bei der Arbeit. „Es hat viele Vorteile, Mitglied der Kooperative zu sein, zum Beispiel den Zugang zu Prämien, Krediten und Düngemitteln, die man ohne Mitgliedschaft nicht erhalten würde“, sagt Théodore.

Dank dieser Unterstützung konnte er sich und seiner Familie ein Leben aufbauen, „Sogar dieses Haus hier – es ist dank ECOJAD entstanden.“

Herausforderung für Kommissionsverkauf

Die größte Herausforderung für Théodore ist das Vermarktungssystem. Üblich im Kakaoanbau in Westafrika ist der Verkauf auf Kommission. Dabei geben die Produzent*innen ihren Kakao zunächst bei der Kooperative ab, die ihn gesammelt weiterverkauft. Die Auszahlung erfolgt erst nach dem Weiterverkauf – und kann sich dadurch verzögern. Auch wenn Théodore sich hier eine Änderung wünscht – sich über seine Kooperative ärgern ist ihm fremd. „Die Kooperative ermöglicht mir dieses Leben“, sagt er.

Théodore Koffi Kouakou und seine Familie

Am Ende des Tages, wenn die Arbeit geschafft ist, verbringt Théodore Zeit mit seinen Kindern, seiner Frau und seinen Brüdern. Gemeinsame Mahlzeiten sind für ihn ein wichtiger Moment. Am liebsten isst er Yam-Foutou mit Djoumblé- oder Palmnusssauce. Ein besonderer Treffpunkt ist sein Zuhause: „Die Dorfbewohner kommen zu mir, um in meinem Hof fernzusehen. Das macht mich sehr stolz und bestärkt mich in meiner Arbeit mit ECOJAD“, erzählt er.

Und wenn Musik läuft, dann „Otobé Otobé“ von Adeba Konan. „Die Botschaft des Liedes ist, dass jeder Mensch seine eigene Chance im Leben hat.“ Für Théodore ist Kakao mehr als ein Rohstoff. Er ist die Grundlage für das Leben seiner Familie.

Über die Kooperative ECOJAD gelangen Théodores Kakaobohnen unter anderem zu Tony’s Chocolonely – und werden so auch für uns in Deutschland verfügbar.

Fairtrade bei Kakao und anderen Lebensmitteln

Wenn wir über Kakao sprechen, dann sprechen wir auch über die Nachhaltigkeit davon und anderer Lebensmitel. Kakao kommt von weit her und wir können am Supermarkt-Regal nur schwer nachvollziehen unter welchen Bedingungen das Produkt produziert wurde. Kommt das Geld auch dort an wo es soll und können die Familien und Bauern von dem Geld leben was sie erwirtschaften. Siegel sind hilfreich aber zeigen Sie uns auch alles? Vielleicht geben uns die folgenden Beiträge aus dem Netz Aufschluß, wie sich der Faire Handel entwickelt:

Fairtrade Inside Unser Mitarbeiterblog