#Storybox: Die Kaffee-Revolutionärinnen von Kerala

#Storybox: Die Kaffee-Revolutionärinnen von Kerala

Die Highrange Organic Women Fairtrade Farmers Association ist die erste ausschließlich von Frauen geführte Kaffeegenossenschaft Indiens – einem Land, in dem Frauen bis heute extrem benachteiligt werden.

99 Frauen schwimmen gegen den Strom
In Indien dürfen Frauen traditionell weder Land besitzen, noch ihr erwirtschaftetes Einkommen für sich selbst behalten – alle Grundrechte und Privilegien liegen in männlicher Hand. Die Highrange Organic Women Fairtrade Farmers‘ Association (HOWFFA) stellt sich dem entgegen. Bei der Frauenkooperative haben die Männer – Ehemänner oder gesetzliche Betreuer der Frauen – Erklärungen unterzeichnet, dass die Frauen Eigentümerinnen des von ihnen bewirtschafteten Landes sind. Außerdem erhalten und verwalten allein die Frauen den Erlös aus dem Verkauf ihres Kaffees. Das macht HOWFFA zu einer regelrecht revolutionären Kooperative, die die traditionellen Geschlechterrollen in Indien auf den Kopf stellt.

In der Vollversammlung von HOWFFA werden alle wichtigen Entscheidungen demokratisch gefällt.

HOWFFA wurde 2018 im Western Ghats District von Kerala gegründet und bereits ein Jahr später Fairtrade zertifiziert. Heute gehören 99 Kaffeebäuerinnen der Kooperative an, die hauptsächlich hochwertigen Robusta-Kaffee für den Export produzieren. Um ihr Einkommen zu verschiedenen Jahreszeiten zu gewährleisten, haben die Frauen ihre Anbauprodukte diversifiziert. Neben Kaffee bauen sie auch Früchte wie Mango und Guave sowie Fairtrade-zertifizierte Gewürze wie Pfeffer, Muskat, Nelken und Kardamom an, die sie jedoch bisher nur auf dem lokalen Markt verkaufen.

Mit Fairtrade gegen Perspektivlosigkeit
Im Bundesstaat Kerala wird Kaffee bereits seit langem angebaut. Doch aufgrund der enormen Preisschwankungen auf dem internationalen Kaffeemarkt wechseln viele Bauern ständig ihre Anbauprodukte, immer auf der Suche nach höheren Gewinnen. Das vermindert wiederum ihre Produktivität – und ihr Einkommen.
Fairtrade bietet ein Gegenmodell zum konventionellen Kaffeehandel, das den Produzent*innen Stabilität bietet. Durch die Fairtrade-Zertifizierung erhalten die Kaffeebäuerinnen von HOWFFA einen stabilen Mindestpreis und eine zusätzliche Fairtrade-Prämie, die direkt an die Produzentinnen gezahlt oder in Schulstipendien für die Ausbildung der Kinder der Kooperative angelegt wird. Außerdem erhalten die Bäuerinnen Schulungen zu ökologischem Anbau und Qualitätsmanagement, um ihre Kaffeeproduktion nachhaltig auf sichere Füße zu stellen.

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Die aktuellen Herausforderungen sind groß
Die Corona-Pandemie hat auch die Region Western Ghats schwer im Griff: Die Krankenhäuser sind überfüllt, wenn jemand erkrankt, wird er nach Hause geschickt. Da in Indien viele Generationen unter einem Dach leben, erkrankt im Falle einer Infektion oft die ganze Familie.
Zum Glück konnten alle Produzentinnen der Kooperative geimpft werden. Durch Max Havelaar France (die nationale Fairtrade-Organisation von Frankreich) und das asiatische Fairtrade-Produzentennetzwerk NAPP wurden die Frauen von HOWFAA zusätzlich mit Handdesinfektionsgel, Masken und medizinischer Ausrüstung ausgestattet.

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Der Klimawandel ist eine weitere große Herausforderung für die Kaffeebäuerinnen. Während es früher verlässlich nur im Juni geregnet hat, sind die Wettermuster heute völlig unberechenbar geworden. Das macht den Kaffeeanbau schwieriger denn je – auch wenn die bei HOWFFA hauptsächlich angebaute Robusta-Kaffeepflanze etwas unempfindlicher gegenüber klimatischen Schwankungen ist als ihre Schwester, die Arabica-Kaffeepflanze.

Gesucht: Marktzugänge für die Frauen von HOWFFA
Um sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu stellen, brauchen die Frauen von HOWFFA vor allem eines: finanzielle Spielräume, die ihnen Investitionen in die Zukunft ihrer Kooperative ermöglichen. Doch in Indien haben Frauen keinen Zugang zu Krediten. Für Finanzgeber ist es schwierig zu verstehen, dass die Frauen die Eigentümerinnen ihres Landes und diejenigen sind, die das Geld erhalten und verwalten. Umso wichtiger ist es darum für die Frauen von HOWFFA, weitere Marktzugänge für ihren Kaffee zu eröffnen, langfristige Verträge mit Handelspartnern abzuschließen und so finanzielle Stabilität zu erlangen. Und mit zunehmendem Erfolg kann die Frauenkooperative vielleicht sogar dazu beitragen, die Rolle der Frau in der indischen Gesellschaft zu revolutionieren.

 

Unser Dankeschön geht an
Sheena Susan Varghese, Präsidentin der Highrange Organic Women Fairtrade Farmers‘ Association (HOWFFA), die uns die Informationen zu ihrer bemerkenswerten Kooperative, Bildmaterial und Zitate der Kaffeebäuerinnen zur Verfügung gestellt hat.

 

Stillstand oder Fortschritt? Geschlechtergerechtigkeit in Indiens Textilindustrie

Stillstand oder Fortschritt? Geschlechtergerechtigkeit in Indiens Textilindustrie

Gemeinsam mit meinem Kollegen Rapha Breyer bin ich im September 2021 nach Indien gereist, um dort Fairtrade-Textilfabriken in Karnataka, Tamil Nadu und Gujarat zu besuchen. Wie es den Arbeiter*innen inmitten der Corona-Pandemie geht und wie sie die vergangenen Monate erlebt haben, erzähle ich im ersten Blogbeitrag. Im zweiten Teil erfährst du, wieso Frauen in Indien noch immer an vielen Stellen benachteiligt werden, und wieso die Textilindustrie dennoch Fortschritte macht.

Obwohl Frauen in Indien zumindest auf dem Papier mehr Rechte haben als in anderen Teilen der Welt, kann von Gleichberechtigung keine Rede sein. Das Verheiraten junger Frauen ist in dem südasiatischen Land normal – Schätzungen zufolge werden etwa 80 bis 90 Prozent der Ehen arrangiert. Auch die Tradition der Mitgift, die seit 1961 per Gesetz verboten ist, ist noch immer weit verbreitet. Mit „Sumangali“ gibt es sogar einen eigenen Begriff dafür, dass Frauen ihre Mitgift selbst erarbeiten.

Sumangali – Ausbeutung als Geschäftsmodell

Viele Jahre lang war „Sumangali“ ein gängiges Beschäftigungsmodell, gerade in Spinnereien, wo, anders als in Nähfabriken, auch ungelernte Arbeitskräfte gebraucht werden. Unwissend und in finanzieller Not schlossen Eltern gleich mehrjährige Arbeitsverträge für die Töchter ab, bei denen ein großer Teil der Entlohnung erst nach Ende des Vertrages gezahlt wurde. Während die Spinnereien versprachen, die Mädchen auszubilden und bis zu ihrer Heirat auf sie Acht zu geben, fristeten diese oft eine Art Sklavendasein, eingesperrt und abgeschottet von der Außenwelt. Wer vor Vertragende ging, erhielt oft keinen Cent.

„Niemand will heute noch Garn aus Sklavenarbeit“

Auch heute noch arbeiten vorwiegend junge Frauen in Indiens Spinnereien, um Geld für eine mögliche Heirat zu verdienen. Die meisten von ihnen stammen aus ärmlichen Verhältnissen, aus landwirtschaftlich geprägten Regionen wie Odisha im Nordosten des Landes. Die Abhängigkeit ist heute allerdings eine andere: So gibt es etwa gesetzliche Regelungen, die Kinderarbeit verbieten. Laut Gesetz müssen Arbeiter*innen mindestens fünfzehn Jahre alt sein, laut Fairtrade-Textilstandard sogar sechzehn. Zudem hat die öffentliche Kritik an der Ausbeutung junger Frauen und Mädchen den Druck auf die Industrie erhöht. Niemand will schließlich Garn aus Sklavenarbeit in seinen Textilien wissen. Viele Spinnereien haben seither nachgebessert und Arbeitsbedingungen sowie Löhne angepasst.

85 Prozent der Beschäftigten sind weiblich

Angesichts der Geschichte wundert es nicht, dass bei Armstrong Spinnig Mills, einer Spinnerei im indischen Tiruppur, die wir besuchen, fast ausschließlich Frauen arbeiten: Rund 85 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. Auf der Homepage wirbt das Unternehmen explizit mit „Women Empowerment“. Im Gegensatz zu Männern haben Frauen in Indien allerdings häufig auch den Ruf, die einfacheren Arbeitnehmerinnen zu sein – quasi per Sozialisation. „Viele sind dazu erzogen worden, weniger Wiederworte zu geben“, gibt mein Fairtrade-Kollege Rapha Breyer zu bedenken, während wir über das Fabrikgelände laufen. „Und trotzdem schließt das die Stärkung der Frauen ja nicht aus.“ Über das Fairtrade-Textilprogramm erhalten die Arbeiter*innen bei Armstrong beispielsweise Trainingsangebote und Schulungen zum Thema Arbeitsrecht.

Die Unterbringung der Arbeiter*innen bekommen wir bei unserem Besuch nur im Vorbeigehen zu Gesicht: Die Zimmer sind einfach, aber aufgeräumt – außer den Stockbetten gibt es kaum Einrichtungsgegenstände. Gleich daneben, unweit der Arbeitsstätte ist die Kantine, ein flaches Betongebäude. Dreimal am Tag bekommen die Beschäftigten hier Essen. Während draußen die Mittagssonne auf den Vorhof prallt, ist es im Innenraum angenehm kühl. Das Mobiliar ist einfach, das Essen, das auf Bananenblättern serviert wird, reichlich. Es gibt Dal, mit verschiedenen traditionellen Dips, zum Nachtisch eine Banane und eine Art Fudge aus süßem Ghee. Wenn er nicht mit seiner Frau zu Hause esse, kommen er jeden Mittag her, erklärt A. Naranayasamy, der Geschäftsführer der Fabrik.

Es tut sich etwas in der Textilindustrie – nicht nur beim Essen

Dass selbst der CEO von Armstrong Spinning Mills regelmäßig in der Kantine isst, ist ein Indiz dafür, dass sich etwas tut in der Textilindustrie. Dieses Gefühl nehme ich zumindest an vielen Stellen unserer Reise mit. Die Fabriken, die wir besuchen, scheinen auf einem guten Weg zu sein. Im Rahmen des Fairtrade-Textilprogramms setzen sie bereits Schulungen zu unterschiedlichen Themen um, gestalten ihre Arbeitsstätten sicherer und binden ihre Mitarbeiter*innen stärker in Entscheidungsprozesse ein. Viele von ihnen könnten ohne große Anstrengungen den nächsten Schritt gehen und eine komplette Zertifizierung nach dem Fairtrade-Textilstandard anstreben. Und doch tun sie es nicht. Wieso? „Viele zögern. Nicht, weil der Standard zu anspruchsvoll ist, sondern weil die Nachfrage fehlt und sie nicht bereit sind, die Kosten allein zu tragen“, sagt Shivaprasad Shetty, Fairtrade-Berater in Indien. „Erst wenn Markenhersteller signalisieren, dass sie höhere Löhne mittragen, werden sich die Fabriken für eine Zertifizierung öffnen“, so Shetty.

Was ernüchternd klingt, ist in meinen Augen ein erster Fortschritt. Immerhin hat sich in vielen Fabriken in den vergangenen Jahren etwas getan. Selbst der nächste Schritt – eine Zertifizierung und die damit verbundenen besseren Löhne – wäre denkbar, würden alle Akteure an einem Strang ziehen. Der Wandel in der Textilindustrie scheitert aktuell also nicht etwa an der Umsetzung, sondern am Willen der Textilunternehmen. Und um den zu ändern, müssen wir in Deutschland vielleicht einfach noch mehr Druck machen – als NGO wie Fairtrade, aber genauso als Verbraucher*innen.

Unser Interview mit der Staatsministerin Melanie Huml zum fairen Handel

Unser Interview mit der Staatsministerin Melanie Huml zum fairen Handel

Ende Oktober haben Lynn, Anna und ich, Schülerinnen in der 10p des E.T.A. Hoffmann-Gymnasiums Bamberg und Mitglieder des Fairtrade-Teams unserer Schule, die Möglichkeit erhalten, die bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml, zu interviewen. Das ist eine Chance, die man sich auf keinen Fall entgehen lässt!

Das Interview mit der „bayerischen Eine-Welt-Ministerin“ führten wir trotz großer Nervosität von unserer Seite in einer sehr freundlichen, offenen und angenehmen Atmosphäre. Wir stellten der Ministerin viele Fragen, wie es in ihrem beruflichen Bereich um den fairen Handel bestellt ist, z.B. was sie in puncto Förderung des fairen Handels in Bayern bereits erreicht hat und worauf sie stolz ist oder welche fairen Produkte es in der bayerischen Staatskanzlei gibt.

Besonders interessant für uns waren die Fragen zu ihr als Person, die sie sehr ausführlich und genau beantwortet hat, wodurch das Interview eher so einen persönlicheren Gesprächs-Charakter bekam. So erfuhren wir, dass sie sehr gerne fair gehandelte Schokolade und getrocknete Früchte isst. Ehrlich räumte sie aber auch ein, dass sie im Bereich „faire Mode“ noch Nachholbedarf hat. Denn in diesem Bereich setzt sie bis jetzt auf die Devise „weniger ist mehr“ oder „second hand“, was ihre Kinder betrifft.

Kleine Schritte in die richtige Richtung

Unser Engagement in der Schule, von dem wir ihr einiges erzählten, nahm sie lobend und dankbar an. Sie hatte selbst im Vorfeld des Interviews einige Schulen besucht und war von den verschiedenen Projekten und Partnerschaften speziell mit afrikanischen Ländern sehr begeistert. Ein schöner Ausspruch von ihr, der mir im Gedächtnis geblieben ist, war: „Jeder Stein, der ins Wasser fällt, schlägt Wellen.“

Frau Huml verfolgt die Strategie, kleine Schritte in die richtige Richtung zu machen, dafür aber für alle machbar, egal ob Konsument*innen, Produzent*innen oder Händler*innen. Ihr liegt Transparenz am Herzen. Sie ließ uns auf unsere Frage hin eine Liste mit fairen Produkten in den Kantinen jedes bayerischen Ministeriums zukommen. Das zu lesen, war sehr interessant.

Gute Ideen, nicht immer konkret

Uns waren allerdings die Ziele in manchen Antworten noch zu unkonkret: Es hatte den Anschein, als würde sie viele Sachen gut finden und hat auch schon einige Ideen, was sie machen möchte, aber es ist noch nichts so richtig fest geplant. Wir sind aus dem Interview rausgegangen und haben dann nicht wirklich sagen können, welche Pläne als nächstes konkret umgesetzt werden sollen.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass vieles gesetzgeberisch auf Bundesebene geregelt werden muss. Sie hat hierbei auch die Gesetzgebungsinitiativen von Gerd Müller, dem (bis Anfang Dezember amtierenden) Entwicklungsminister, bezüglich des Lieferkettengesetzes und der Abschaffung der Mehrwertsteuer für fair gehandelten Kaffee, mehrfach lobend hervorgehoben. Natürlich kann sie bundesweite Gesetzgebungsvorhaben mit anschieben und unterstützen.

Unser Interview bei der Digitalen Fairtrade-Schüler*innen-Akademie Bayern

Anschließend durften wir bei der digitalen Fairtrade-Schüler*innen-Akademie Bayern, die am Vormittag vom 18. Novmber 2021 per Live-Stream stattgefunden hat, von unserem Interview berichten. Das war für uns auch nochmal eine ganz neue Erfahrung: In so einem offiziellen, professionell moderierten Live-Stream vor ca. 200 Menschen zu sprechen!

Auch unsere Fair-Trade Teamkolleginnen nahmen an dieser Akademie teil. Nach unserem 15-minütigen Bericht über das Interview konnten wir in drei verschiedenen Workshops zu verschiedenen Themen neue Ideen für unsere Fairtrade-Arbeit an unserer Schule sammeln und uns mit anderen Schüler*innen austauschen.

(Beitragsautorin: Jule Prell, 10p des E.T.A. Hoffmann-Gymnasiums in Bamberg)

 

 

A meeting from two sides of the world – but one cause

A meeting from two sides of the world – but one cause

Have you ever wondered, what a typical day of an activist that stays in the other side of the world looks like? Yes, we figth for the same cause. But what do they  exactly do? What is their motivation? Is it the same as ours? Is the same force needed for being and activist here (global north) or there (global south)? Last week I had the chance to answer those questions with Liz Lorena Perca, a young fairtrade embassador from Bolivia.

Liz Lorena started her journey as activist when she was nominated to be part of the youth and gender equity commission of the Chocolate Cooperativa where her Father is an associate. Since early in her life she had the concern about who is going to take care of the land, when most of her classmates where emigrating to the city. That lead her to join her father to the asambles1 where the cacao producers meet and plan strategies to solve issues or accomplish goals for the cacao production. I could vividly imagine her taking place in such meetings, coming also from Bolivia, I know that those meetings are (or was at least for me) the start of revolution of ideas and believes that things could change if you raise your voice.

Once being elected Lorena was the youngest member of the commission board. Soon, she realized that there was a lack of commitment of the members. She waited for long periods to execute all the plans that were on paper. But then she decided to take action and started to touch doors here and there to execute the plan for the year. That plan was the implementation of children care center that could serve for all producers to keep working and being parents at the same time. Which at the end was operating and now is indispensable.

After that experience many doors where open, and she could be the first president of the Youth Group for Fairtrade in Bolivia. In that group producers from 5 lines of products meet up and talk about the issues that youth people is facing. These five lines of production with the fair trade stamp include Cacao, Café, Quinoa, Castaña and Handcrafts2. Some of those problems include the lack of motivation of youth people to stay in their communities and continue the familiar business. Not only motivation was the reason, also the lack of opportunities to access good education in the villages or the access to good health services. However, she thinks that this situation is improving. In her village for example the opening of technical institute for agriculture, allowed youth to stay in their communities and study. She herself is a teacher in that institute and with the help of the of the network of Fair Handel that she built, she is promoting extracurricular courses about climate change, organic production and much more.

Fairtrade for her meant to the opportunity to know more people that share the same concerns as her and trying or planning ways to solve the question from the producers.

I was more than glad to have that meeting with Liz and hope to meet her in person when I go there for the carnival of Oruro in 20224!

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When it comes to chocolate, Bolivia might not be the first place that comes to mind. However, this However this is changing thanks to combined effort of instutions like the FAO, NGOs and small holder cooperatives. In the last five years, Bolivian chocolate producers have been agilely accumulating achievements and gaining worldwide recognition for the quality of their products. Today, they are among the 20 best cocoas in the world and this product has increased its value in the world market. Source: FAO

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Stuttgart, 02.12.2021

Pamela Alina Conde Morales*

* Pamela is a Fair Activist in Germany. Born in Oruro Bolivia, she is currently studying a master’s degree in Environmental Engineering at the University of Stuttgart, and her dream is to work in the Government of her country to improve the living conditions of producers, support local consumption and industrialization.

 

1 Asambleas = Meetings with diffent cooperativas3. The asamblea the highest body and its decisions are binding on all members. More: https://www.cepal.org/sites/default/files/events/files/bolivia_-_ceibo_parte_ii_1.pdf

2 Products in Bolivia: https://clac-comerciojusto.org/lineas-de-trabajo/desarrollo-regional/region-andina/

3 Cooperativas= In order to obtain better market prices, rural producers have organized themselves into small cooperatives, represented by large cooperatives. This helps them avoid costly middlemen and improve their market access. Source:

4 Carnival of Oruro = The Carnival of Oruro is a cultural festival in Oruro, where over 60,000 dancers, about 10,000 musicians in 150 bands, 400,000 visitors celebrate over 10 kilometers. The carnival is one of UNESCO’s Masterpieces of the Oral and Intangible Heritage of Humanity. Source: Wikipedia

Interview mit Kakaobäuerin Deborah Osei-Mensah: „Wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt“

Interview mit Kakaobäuerin Deborah Osei-Mensah: „Wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt“

Deborah Osei-Mensah arbeitet seit sechs Jahren als Kakaobäuerin in Asuadai, einem kleinen Ort in Ghana. Neben ihrem Beruf studiert sie den Master „Environment, Water and Sustainability“ und ist Fairtrade-Botschafterin. Wir haben mit ihr über die Weltklimakonferenz gesprochen, über die Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Farm und wie sich ihre Arbeit durch Fairtrade verändert hat.

Was magst du an deinem Job?

Ich liebe einfach die Landwirtschaft, vor allem die Erntezeit. Wenn ich die Kakaofrüchte ernte, freue ich mich jedes Mal, dass sich die harte Arbeit des ganzen Jahres gelohnt hat.

Hattest du schon immer so viel Spaß daran?

Leider nicht. Als Kind musste ich oft noch vor der Schule auf der Farm meiner Eltern aushelfen. Das war sehr stressig und ich kam oft zu spät zum Unterricht. Damals wollte ich auf keinen Fall Bäuerin werden – aber jetzt sehe ich, wie wunderschön und lohnenswert der Beruf ist.

Du arbeitest auf einer Farm in Ghana, die seit 2012 zu einer Fairtrade-Kooperative gehört. Was hat sich seit der Zertifizierung für euch geändert?

Fairtrade unterstützt uns mit verschiedenen Projekten, damit wir produktiver, nachhaltiger und qualitativ besser arbeiten können. Das ist gut für mein Business. Es gibt nun zum Beispiel weniger Kinderarbeit auf den Farmen, weil Kinder zur Schule gehen sollen. Außerdem werden Frauen dazu ausgebildet, Farmen zu führen und so auch am Gewinn teilzuhaben. Das war früher nicht so: Die Frauen haben zwar auf der Farm geholfen, aber der Mann hat die Ernte verkauft und deshalb das Geld bekommen. Heute ist fast die Hälfte der Farmen meiner Kooperative in den Händen von Frauen.

Durch den Mindestpreis von Fairtrade ist der Kakaoanbau für uns zu einem Beruf geworden, der profitabel ist. Unserer Kooperative schließen sich deshalb immer mehr Menschen an: 2012 waren wir etwa 1.000 Mitglieder, heute sind es mehr als 9.500.

Neben deinem Beruf bist du auch Fairtrade-Botschafterin und wurdest auf der Weltklimakonferenz in Glasgow digital zugeschaltet, um mit Politiker*innen über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf Farmer zu sprechen. Wie hast du die Konferenz erlebt?

Ich hätte mir mehr konkrete Ziele und Pläne anstelle von Reden gewünscht. Jetzt ist die Zeit zu handeln, wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt! Ich hoffe, dass das den Politiker*innen bald bewusst wird und sie auch an die Menschen denken, die besonders stark von den Veränderungen betroffen sind.

Wie verändert der Klimawandel deine Arbeit?

Das Wetter ist viel extremer geworden: Es brechen einerseits immer häufiger Feuer aus, die unsere Pflanzen zerstören. Andererseits kommt es auch öfter zu Überflutungen, bei denen Menschen aus ihren Häusern fliehen müssen. Das Wasser sorgt dafür, dass es mehr Schädlinge und Krankheiten auf unseren Kakaobäumen gibt. Dadurch fällt die Ernte deutlich kleiner aus.

Und wie gehst du auf deiner Farm dagegen vor?

Ich versuche, sie klimaresilienter zu gestalten: Bei der Agroforstwirtschaft pflanzen wir zum Beispiel viele verschiedene Bäume neben unseren Kakaopflanzen. Diese sorgen für Schatten und schützen den Kakao vor Wind. Aber es ist teuer, die verschiedenen Maßnahmen umzusetzen. Dadurch steigen die Produktionskosten für die Bäuer*innen und ihr Gewinn wird niedriger.

Was können wir als junge Engagierte in Deutschland tun?

Projekte, die die Farmen resilienter machen, können noch nicht überall umgesetzt werden. Wenn ihr mehr Fairtrade-Produkte kauft und der Markt wächst, gäbe es auch mehr Geld, um mehr solcher Projekte durchzuführen. Außerdem ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, wie es den Kakaobäuer*innen geht und welche Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Arbeit hat.

Was sind deine Wünsche für den Kakaoanbau in der Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es bald noch mehr Kakaofarmen gibt und unsere Arbeit so professionalisiert und lohnenswert ist, dass sie auch attraktiv für die Jugend wird. Hoffentlich sind wir dann auch so weit, dass Farmer bei den politischen Entscheidungen mitreden können, die sie betreffen. Das ist aktuell leider noch nicht der Fall.

Außerdem hoffe ich, dass sich das Narrativ von Bäuer*innen verändern wird: Es ist ein toller Beruf, der viel Freude macht und viel Wissen verlangt – und nicht etwas, was man nur tut, weil man nichts anderes kann oder gelernt hat.

Das Interview führten Rebecca Wolfer und Katharina Lang gemeinsam im Rahmen der COP26 durch. 

In der nachfolgenden Bildergalerie sind Kakaobäume von Deborah Osei-Mensah zu sehen.