FairActivists x J.J. Darboven: Ein Blick hinter die Kulissen des fairen Kaffees

FairActivists x J.J. Darboven: Ein Blick hinter die Kulissen des fairen Kaffees

Von Hollis, FairActivist

Ende Oktober haben Hanna, Max und ich (Hollis) als FairActivists gemeinsam mit dem traditionsreichen Hamburger Kaffeeunternehmen J.J. Darboven einen spannenden Kaffee-Workshop organisiert. Über die Zusammenarbeit haben wir uns besonders gefreut: Als international tätige Großrösterei führte J.J. Darboven bereits 1993 Fairtrade-Kaffee in sein Sortiment ein – und gilt damit als echter Fairtrade-Pionier. Mit dabei waren außerdem je zwei Vertreterinnen der Jungen Union Hamburg sowie der Grünen Bürgerschaftsfraktion Hamburg.

Zu Beginn haben wir uns und Fairtrade kurz vorgestellt, um danach mehr auf faire Lieferketten und Kaffee einzugehen. Dabei ging es um grundlegende Fragen: Was genau macht Fairtrade? Warum sind faire Lieferketten so entscheidend? Und welche Bedeutung hat Kaffee auf dem deutschen Markt? Um das Thema noch mehr zu verinnerlichen, folgte eine ausführliche Produktionsführung durch das Unternehmen. Von der Anlieferungen über das Rösten und Mahlen bis hin zum Verpacken konnten wir jeden Schritt hautnah miterleben. Besonders beeindruckend war zu sehen, wie präzise alle Arbeitsschritte ineinandergreifen und wie viel Know-how in einer einzigen Tasse Kaffee steckt.

Nach dieser eindrücklichen Führung haben wir uns zusammengesetzt und über aktuelle Entwicklungen ausgetauscht, etwa zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) oder zur EU Deforestation Regulation (EUDR). Dabei haben wir diskutiert, welche Verantwortung Unternehmen in globalen Lieferketten tragen und wie politische Rahmenbedingungen sie dabei unterstützen können. Gleichzeitig haben wir darüber gesprochen, was wir auf lokaler Ebene in Hamburg bewegen können, beispielsweise durch die Fairtrade-Town Hamburg, zahlreiche Fairtrade-Schools oder das Engagement junger Menschen, die das Thema sichtbar machen und weitertragen.

Zum Abschluss wurde es praktisch: In einem Workshop durften wir selbst Espresso zubereiten und uns im Latte Art versuchen. Dabei hatten wir nicht nur viel Spaß, sondern konnten uns auch in entspannter Atmosphäre weiter austauschen. Als kleines Dankeschön erhielten alle eine Tüte mit verschiedenen Fairtrade-Produkten, ein schönes Andenken und ein greifbarer Impuls, das Gelernte mit nach Hause zu nehmen.

Ein herzliches Dankeschön an J.J. Darboven, die Junge Union Hamburg und die Grüne Bürgerschaftsfraktion Hamburg für die spannenden Einblicke und den bereichernden Austausch! Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam einen so gelungenen Workshop rund um fairen Kaffee gestalten konnten.

Paraguayische Kleinbäuerinnen & -bauern verändern den Zuckermarkt

Paraguayische Kleinbäuerinnen & -bauern verändern den Zuckermarkt

Etwa 70 Kilometer entfernt von Asunción, der Hauptstadt Paraguays, liegt im Südwesten des Landes Arroyos y Esteros – zu Deutsch „Bäche und Sümpfe“. Das abgelegene Dorf inmitten des subtropischen Klimas ist Sitz der Kleinbauernkooperative Manduvirá. Hunderte Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bewirtschaften hier ihre Zuckerrohrfelder. Das Klima ist ideal, doch die isolierte Lage und ungerechte Handelsbedingungen brachten lange Zeit große Herausforderungen mit sich. Jahrzehntelang mussten die Landwirt*innen ihr Zuckerrohr zu weit entfernten, privaten Mühlen bringen, welche die Preise diktierten und den größten Teil der Gewinne einbehielten.

Blanca Medina – Produzentin der Manduvirá Kooperative

Der Start einer süßen Erfolgsgeschichte

1975 entschieden einige Lehrer*innen und Landarbeiter*innen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie gründeten die Kooperative Manduvirá. Was als kleine Spar- und Kreditgenossenschaft begann, ist heute ein Vorzeigeprojekt für selbstbestimmte Entwicklung durch fairen Handel. Die Geschichte von Manduvirá zeigt, wie Gemeinschaft, Mut und Fairness eine Region verändern können.


Vom Traum zur eigenen Zuckermühle

Mit der Fairtrade-Zertifizierung im Jahr 1999 erhielt Manduvirá erstmals Zugang zu fairen Preisen und stabilen Handelsbeziehungen. Mittlerweile exportiert sie fast ihre gesamte Jahresproduktion von 4.000 Tonnen Zucker an Fairtrade-Kunden in 18 Ländern. In Verbindung mit der Fairtrade-Prämie konnten die Mitglieder ihre Produktion verbessern, in ihre Betriebe investieren und das Leben in ihrer Gemeinde Schritt für Schritt verändern. Doch eine große Herausforderung blieb: Der Transport zur nächsten Mühle – über 100 Kilometer auf unbefestigten Straßen – war teuer und aufwendig. Mit dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und Kontrolle über ihre Produktion fassten die Mitglieder einen mutigen Plan: Der Bau einer eigenen Zuckermühle.

„In Paraguay sagten die Leute: ‚Ihr seid arm. Ihr seid verrückt. Ihr werdet niemals in der Lage sein, Zucker direkt zu verkaufen oder zu exportieren oder daran zu denken, eine eigene Zuckermühle zu haben,“ erinnert sich Andrés González, Geschäftsführer der Manduvirá-Kooperative.


Der Wendepunkt für mehr Selbstbestimmung

Der Weg zur Mühle war gespickt mit Vorurteilen, vielen Barrieren und Gegenwind der großen, privaten Zuckerfabriken. Mit viel Herzblut und Arbeit sowie mithilfe der Fairtrade-Prämie, nationalen und internationalen Krediten und dem Fairtrade Access Fund wurde der Traum Wirklichkeit: 2014 nahm die erste Fairtrade-zertifizierte Bio-Zuckermühle der Welt im Besitz von Produzent*innen ihren Betrieb auf. „Unser Traum einer Zuckermühle im Besitz der Kooperative anstatt privaten Unternehmern ist in Erfüllung gegangen“, meint der Geschäftsleiter von Manduvirá, Andres Gonzales, zu dieser Errungenschaft.

Seitdem verarbeiten und exportieren die Mitglieder ihren Zucker selbst – unabhängig von Zwischenhändler*innen, zu fairen Bedingungen und in eigener Verantwortung. Die Mühle bietet zudem rund 200 Arbeitsplätze, viele davon für junge Menschen, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind. „Die Kooperative generiert neue Arbeitsplätze. Dank der eigenen Zuckermühle ergeben sich neue Möglichkeiten für Mitglieder, Nicht-Mitglieder und die gesamte Gemeinschaft“, erklärt Teresa Alejandra Pereira, Sekretärin der Kooperative Manduvirá.

Fairer Zucker, starke Gemeinschaft

Für die rund 1.700 Mitglieder der Kooperative bedeutet die eigene Mühle mehr Unabhängigkeit, mehr Einkommen und mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Sie entscheiden gemeinsam, wie die Gewinne und Fairtrade-Prämien verwendet werden. Mit den Einnahmen finanziert die Kooperative Projekte, die das Leben in Arroyos y Esteros nachhaltig verbessern und die Gemeinschaft stärken:

Ein Gesundheitszentrum mit Ärzt*innen und Zahnarztpraxis,

Bildungsangebote und Schulmaterialien für Kinder und Jugendliche,

Investitionen und Unterstützungen für Schulen,

Investitionen in sauberes Trinkwasser und sichere Wohnverhältnisse,

sowie die Renovierung der Häuser der Kooperativen-Mitglieder.

Ein Teil der Fairtrade-Prämie wird direkt an die Mitglieder ausgezahlt, damit auch schwierige Zeiten zwischen den Ernten überbrückt werden können. So bleibt das, was erwirtschaftet wird, in der Gemeinschaft. Die Geschichte von Manduvirá zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung kein Widerspruch ist– sondern die Grundlage für eine faire Zukunft.

Wenn Fairness den Geschmack bestimmt

Der Zucker aus Manduvirá findet heute seinen Weg in viele Länder – auch nach Deutschland. Er ist beispielsweise Bestandteil des „Cookies & Cream“-Pulvers von koawach, das fairen Handel mit genussvollem Geschmack verbindet. Dahinter steht eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die zeigt: Genuss beginnt dort, wo alle profitieren – vom Anbau bis zur Tasse. Das „Cookies & Cream“-Pulver ist nun auch deutschlandweit bei dm erhältlich – mit fairem Zucker aus Manduvirá.

„Für mich bedeutet Unternehmertum, Verantwortung zu übernehmen – für Menschen, Umwelt und die Zukunft unseres Planeten. Fairtrade ist für mich kein Marketing-Siegel, sondern ein grundlegender Teil unserer Mission,“ sagt Daniel Duarte, Gründer von koawach.

Bilder (c) CLAC und koawach

Weihnachtssterne – das rote Immergrün 

Weihnachtssterne – das rote Immergrün 

Birhane Abateneh Arbeitsplatz ist weitläufiger als viele städtische Parks: 41 Hektar umfasst die Stecklingsfarm Red Fox in Äthiopien – fast so viel wie die Vatikanstadt. Gezüchtet werden hier Poinsettien, besser bekannt als Weihnachtssterne.

Birhane Abateneh

Die Farm liegt in Oromia, der größten und am dichtesten besiedelten Region Äthiopiens, rund 90 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt. Über 90 Prozent der in Europa verkauften Weihnachtssterne stammen aus Afrika – viele aus Äthiopien. Während die beliebten Pflanzen in Deutschland erst ab November in den Geschäften zu finden sind, blühen sie hier das ganze Jahr.

“Ich bin von niemandem finanziell abhängig“

Rund 2.500 Mitarbeitende beschäftigt die Fairtrade-zertifizierte Farm. Eine von ihnen ist Birhane Abateneh. Seit 18 Jahren arbeitet sie bei Red Fox. Als Koordinatorin für Qualität und Kontrolle sucht sie Arbeitswerkzeuge für die Feldarbeit aus, weist den Arbeiter*innen täglich ihre Aufgaben zu und überwacht Fortschritt sowie Qualität der Arbeitsschritte. Die Arbeit macht ihr Spaß, vor allem weil sie ihr Unabhängigkeit ermöglicht. „Ich bin von niemandem finanziell abhängig ”, sagt die 45-jährige. Ein seltener Satz in einem Land wie Äthiopien, in dem religiöse Traditionen die Rolle der Frau in der Gesellschaft noch immer stark prägen.

Mini-Supermarkt für Mitarbeitende

Große finanzielle Sprünge sind für Birhane Abateneh und ihre Kolleg*innen trotzdem nicht möglich. Die Löhne im Blumensektor sind zu gering – selbst auf Fairtrade-Farmen. Nur wenn die Weihnachtssterne als Fairtrade-Ware verkauft werden, erhalten die Arbeiter*innen einen entsprechenden Aufschlag: die Fairtrade-Prämie. Diese kommt ihnen indirekt zu Gute. Über ein Prämienkomitee entscheiden sie, in welche Gemeinschaftsprojekte das Geld investiert werden soll.

Auf der Red Fox Farm werden mithilfe der Prämie beispielsweise Lebensmittel subventioniert: „Dank Fairtrade konnten wir einen Mini-Market eröffnen“, erklärt Dereje Asrat, Mitglied des Prämienkomitees. „Wir kaufen Waren im Großhandel ein und bieten sie den Mitarbeitenden vergünstigt an“, so der 35-Jährige. Auch Birhane Abateneh nutzt das Angebot: “Der Mini-Markt hilft vielen von uns. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass mehr Fairtrade-Weihnachtssterne verkauft werden. Dann könnte das Angebot im Mini-Market weiter wachsen. Toll wären Produkte wie Zucker und Mehl.“ 

Der weite Weg des Weihnachtssterns

Bis aus den zarten Stecklingen die weltweit beliebteste Weihnachtspflanze wird, braucht es vor allem eins: Geduld. Fast anderthalb Jahre werden sie unter Äthiopiens Sonne herangezüchtet, bevor sie nach Deutschland und in die ganze Welt exportiert werden. Auf den Farmen kümmern sich sogenannte Jungpflanzenbetriebe um Bewurzelung und Aufzucht der Pflanzen. In hiesigen Gärtnereien wachsen sie anschließend zur vollen Blüte heran und landen im Verkauf – alle Jahre wieder.

Was viele Verbraucher*innen nicht wissen: Weihnachtssterne sind nicht nur eine Saisonerscheinung. Mit der richtigen Pflege und dem richtigen Standort können sie mehrere Jahre überdauern.   

Stark für Frauen, Fairness und Future  –  Sandra María Ventrua,  Kaffee-Kooperative COCAMOL, Honduras 

Stark für Frauen, Fairness und Future  –  Sandra María Ventrua,  Kaffee-Kooperative COCAMOL, Honduras 

Die „Cooperativa Cafetalera Mercedes Ocotepeque Limitada“ – kurz COCAMOL – wurde 1997 auf Initiative von kleinbäuerlichen Kaffeeproduzenten im Westen Honduras gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern.

Gegenseitige Solidarität und Genossenschaftswesen zu stärken waren den 20 Gründungsmitgliedern wichtig. Werte, die sich mit dem Fairtrade-Gedanken decken. Keine Überraschung also, dass die Kooperative seit 2017 Fairtrade-zertifiziert ist. Und das Konzept der Kooperative kommt an: Inzwischen hat sie über 90 Mitglieder. 

Eine davon ist Sandra María Ventrua. Sie ist Kaffeeproduzentin bei COCAMOL. Aber nicht nur das, sie ist außerdem Vorstandsmitglied der Kooperative.  

„Seit wir die Zertifizierung erhalten haben, hat sie uns sehr geholfen. Wir haben eine Wertsteigerung des Kaffees festgestellt, genau das haben wir uns erhofft“, berichtet Sandra María Ventrua und ergänzt, dass die Prämie ein wichtiger Bestandteil für die Kooperative sei: „Sie verwenden wir für Gesundheitsfürsorge, Umweltinitiativen und Bildung unserer Mitglieder und ihre Familien.“ 

Die Genossenschaft COCAMOL in Honduras finanziert mit ihrer Fairtrade-Prämie eine lokale Gesundheitsklinik. Diese bietet den Mitgliedern der Genossenschaft sowie der gesamten Gemeinde wichtige Gesundheitsdienstleistungen.  

Frauen stärken – gemeinsam für eine gute Zukunft für alle 

Sandra kann mit Stolz auf ihre Errungenschaften blicken, auf ihre eigene Karriere und auf das, was sie für ihre Familie und die Kooperative erreicht hat: „Ich bin seit 36 Jahren Kaffeeproduzentin und bewirtschafte meine Farm allein. Ich bin Mutter von vier Kindern und konnte sie Dank des Kaffeeanbaus in Honduras auf die Universität schicken.“ 

Dass sie als Frau ihre eigene Kaffeefarm besitzt, diese allein bewirtschaftet und außerdem Vorstandmitglied ist, ist nicht selbstverständlich. Dahinter stecken harte Arbeit, Disziplin und ein starker Wille. Doch auch, dass die Genossenschaft als Fairtrade-zertifizierte Organisation konkrete Schritte für mehr Geschlechtergerechtigkeit gehen muss, leistet einen Beitrag.  

Sandra erinnert sich: „Es war wirklich eine Herausforderung. Als Frauen anerkannt zu werden, zu zeigen, dass auch wir eine Farm bewirtschaften und die gleiche Arbeit wie Männer verrichten können. In der Genossenschaft gibt es einen Gender-Ausschuss, und jetzt haben wir auch einen Frauen-Ausschuss, der sich aus allen weiblichen Mitgliedern zusammensetzt, die in der Kaffeeproduktion tätig sind.“ 

Hochwertiger Bio-Fairtrade-Kaffee aus Honduras spielt eine wichtige Rolle im Kaffee-Portfolio von Julius Meinl.  Zum Beispiel in der Bio- und Fairtrade zertifizierten Julius Meinl Melange: eine klassische Wiener Kaffeespezialität, die mit Milch genossen wird. Die mitteldunkle Röstung verleiht diesem Kaffee einen schokoladigen Geschmack mit Noten von braunen Gewürzen und ein intensives Aroma. 

Im Rahmen eines Besuchs in Honduras Anfang 2025 hatte die Julius Meinl Coffee Group die Gelegenheit, mit Sandra von der COCAMOL-Kooperative zu sprechen und Honduras als eines der wichtigsten Herkunftsländer hervorzuheben, aus denen das Unternehmen hochwertigen Fairtrade-Bio-zertifizierten Kaffee bezieht. 

Fotos: Julius Meinl

Fairtrade bei Kakao und anderen Lebensmitteln

Wenn wir über Kakao sprechen, dann sprechen wir auch über die Nachhaltigkeit davon und anderer Lebensmitel. Kakao kommt von weit her und wir können am Supermarkt-Regal nur schwer nachvollziehen unter welchen Bedingungen das Produkt produziert wurde. Kommt das Geld auch dort an wo es soll und können die Familien und Bauern von dem Geld leben was sie erwirtschaften. Siegel sind hilfreich aber zeigen Sie uns auch alles? Vielleicht geben uns die folgenden Beiträge aus dem Netz Aufschluß, wie sich der Faire Handel entwickelt:

Fairtrade Inside Unser Mitarbeiterblog