Cashewkerne – die Juwelen Benins

Cashewkerne gelten als Superfood. Doch ihr Anbau hat Schattenseiten: hohe CO₂-Emissionen, gefährliche Verarbeitung, niedrige Erzeugerpreise. Im Dorf Boukoussera in Benin zeigen Cashewproduzent*innen, dass es anders geht.

In dem kleinen Dorf Boukoussera im westafrikanischen Tchaourou leben rund 1.500 Einwohner und noch mehr Rinder, Schafe und Ziegen. Seit Generationen widmen die Dorfbewohner*innen ihr Leben dem Anbau von Cashewkernen – dem wahren Juwel Benins.

Eine Handvoll Cashewkerne

„Der Cashewanbau ist unser Vermächtnis“

Für Chabi Boum Gaya ist der Anbau mehr als ein Lebensunterhalt; er ist ein Vermächtnis – eines, das von Vater zu Sohn weitergegeben wird, Generation für Generation. Der 40-jährige ist selbst als Kind auf einer Cashewfarm groß geworden. Schon seine Eltern haben Cashews angebaut. Heute ist er Vorsitzender der Fairtrade-zertifizierten Kooperative CCPA BIO EQUITABLE. Die Kooperative ist ein Segen, sagt er: „Die Genossenschaft trägt dazu bei, dass wir als Gemeinde und Dorf wachsen. Sie unterstützt uns dabei, dass unsere Kinder eine Ausbildung bekommen.“ Cashew-Bäuerin Maregibu Peno ergänzt: „Früher haben wir oft mit Verlust verkauft. Durch Fairtrade können wir unsere Kerne zu angemessenen Preisen verkaufen. Auch die Erträge sind besser geworden.“

Chabi Boum ist Mitglied der Fairtrade-zertifizierten Cashew-Kooperative CCPA BIO EQUITABLE.

Cashewkerne: Ein Superfood mit Schattenseiten

Obwohl sie ursprünglich aus Brasilien kommen, wird der Großteil der Cashews mittlerweile in Westafrika angebaut. Benin ist der drittgrößte Cashew-Produzent Westafrikas. Was viele Verbraucher*innen nicht wissen: Bis sie im Handel landen, nehmen Cashews häufig absurde Umwege auf sich. Von Afrika werden sie für die Weiterverarbeitung nach Vietnam oder Indien verschifft, wo sie weiterverarbeitet, entkernt und geröstet werden. Die weiten Transportwege sind aber nicht das einzige Problem: Die Weiterverarbeitung steht in der Kritik. Die Schale der Cashewnuss enthält von Natur aus Anacardinsäure. Diese verursacht bei Hautkontakt schwere Reizungen bis hin zu Verätzungen. Umso wichtiger sind Schutzkleidung und Schulungen für den richtigen Umgang. Auch der oft massive Pestizideinsatz im Anbau gehört zu den Problemen der Cashew-Produktion.

Chabi Boums Frau, Seni Dado, vor dem Haus beim Kochen.

Vom Baum ins Glas – von Boukoussera nach Freiburg

Chabi Boum und seine Genossenschaft gehen einen anderen Weg: Sie haben sich einem ökologischen und möglichst nachhaltigem Anbau verschrieben. „Pestizidfreie Produktion ohne Giftstoffe“ lautet ihr Motto. Die Cashews werden in Boukoussera nicht nur geerntet, sondern direkt weiterverarbeitet. Per Schiff gelangen sie anschließend nach Rotterdam, von wo sie per LkW nach Freiburg gebracht werden. Beim Fairtrade-Partner FairFood werden sie geröstet, mit Rosmarin und Salz verfeinert und anschließend in ganz Deutschland verkauft. Die gesamte Lieferkette ist nach Fairtrade-Standards zertifiziert.

Für die Zukunft wünschen sich der Cashew-Bauer und die Mitglieder der Kooperative vor allem eines: Mehr Fairtrade-Verkäufe und die Möglichkeit, noch mehr investieren zu können – in ihre Gemeinschaft und in das Vermächtnis eines nachhaltigen Cashew-Anbaus.

Bilder (c) Fairpicture