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„Ist es nachhaltig, wenn eine Innovation Existenzen bedroht?“
Elodie Vermeersch, Kakaoexpertin bei Fairtrade Deutschland, im Interview über Kakaoalternativen und die Zukunft der Schokolade.
Wie sieht die Zukunft der Schokolade aus? Angesicht des Klimawandels und immer schwierigeren Bedingungen für den Kakaoanbau, stellen einige Süßwarenhersteller auf Schokolade ohne Kakao um.
Wie diese Entwicklung den Kakaohandel, die Kakaoproduzent*innen und die Situation in den Ländern, die maßgeblich vom Kakaoexport leben, beeinflusst, erklärt Elodie Vermeersch, Kakao-Expertin bei Fairtrade Deutschland. Sie erläutert, wie zukunftsfähig Kakao-Lieferketten sind und was Nachhaltigkeit mit fairen Arbeits- und Lebensbedingungen zu tun hat.
Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für Kakaoproduzent*innen wie Dora Atiiga in Ghana.
Ist es nicht eine positive Entwicklung, dass angesichts der Klimakrise, die den Kakaoanbau bedroht, nach regionalen Alternativen geforscht wird?
Innovationen sind natürlich erstmal positiv – gerade angesichts der Klimakrise, ist es wichtig, dass neu gedacht wird. Wenn ich mir die aktuellen Kakaoalternativen und die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte angucke, entdecke ich aber viele Lücken: Nur das Mehl wird aus Sonnenblumenkernen, Gerste oder Traubenkernen aus Osteuropa gewonnen. Dieses macht aber nur 10 bis 15 Prozent der Rezeptur einer Schokoladenalternative aus. Für die weiteren Inhaltsstoffe wie Zucker, pflanzliche Fette, Sheabutter oder Palmfett fehlen konkrete Informationen zur Herkunft. Insbesondere Palmfett und Sheabutter wachsen ausschließlich in tropischen Regionen.
Bei Fairtrade sehen wir Nachhaltigkeit als ganzheitlichen Ansatz. Transportwege sind dabei nur ein Aspekt. Produktionsbedingungen und die damit verbundenen Lebensbedingungen spielen eine große Rolle. Wenn man also über Innovation redet, müssen wir auch die Auswirkungen betrachten, die Änderungen der globalen Lieferketten mit sich bringen. In diesem Fall ist die Existenzgrundlage von Millionen von Menschen gefährdet, die vom Kakaoanbau leben. Ich frage mich, ist es nachhaltig, wenn eine Innovation gleichzeitig Existenzen bedroht?
Wir verfolgen die Mission, die Existenzgrundlage von Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden zu verbessern. Die Antwort auf die Frage, ob Schokoladenalternativen nachhaltig sind, ist für uns klar – nein. Nachhaltigkeit ist ein komplexes Thema – das bedeutet nicht nur einen Aspekt wie Regionalität oder CO₂-Bilanz zu optimieren, sondern die vielfältigen Herausforderungen gleichzeitig anzugehen.
„Die stetige Zusammenarbeit seit Jahrzehnten schafft Zukunftsfähigkeit.“
2026 feiert Fairtrade 30 Jahre fair gehandelten Kakao mit Fairtrade-Siegel.
Die Kakaoalternativen werben mit Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Wie zukunftsfähig sind die Schokoladenalternativen? Auch im Vergleich zu echtem Fairtrade-Kakao.
Fairtrade feiert dieses Jahr 30 Jahre Fairtrade-Kakao, wir kennen den Rohstoff und seine Lieferketten sehr gut. Unsere Erfahrungen zeigen: Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, spielt auch der Anbau eine große Rolle, beispielsweise ob der Kakao in Monokulturen oder Mischkulturen angebaut wird. Monokulturen sind anfälliger für Krankheiten und nicht förderlich für die Biodiversität und die Bodengesundheit. Wie der Anbau von Rohstoffen der Kakaoalternativen ist, ist nicht transparent.
Fairtrade geht seit Jahrzehnten viele strukturelle Probleme im Kakaoanbau an und macht ihn dadurch zukunftsfähig. Wir wissen und können belegen, dass die stabilen Fairtrade-Mindestpreise und Fairtrade-Prämien den Bäuerinnen und Bauern Zukunftsperspektiven ermöglicht. Fairtrade-Produzent*innen fällt es leichter in klimaresiliente Anbaumethoden zu investieren, was Fairtrade-zertifizierte Betriebe krisenfester macht. Das Fairtrade-System fördert auch Klimaanpassungsprogramme und Agroforstprogramme, die wiederum Biodiversität und Bodenreichtum fördern. Dadurch können Erträge verbessert werden. Die Einkommensdiversifizierung und größere Wertschöpfung am Ursprung (eigene Verarbeitung der Kakaobohnen in den Kooperativen) macht die Familien unabhängiger vor Preisschwankungen und fördert die lokale und wirtschaftliche Entwicklung. Diese Maßnahmen brauchen Jahrzehnte um sich zu entwickeln, es ist also eine langfristige, aber nachhaltige Investition.
Fairtrade ist ein weltweites Netzwerk direkt vor Ort. Unsere Kolleg*innen arbeiten eng mit den Kooperativen zusammen, bieten maßgeschneiderte Unterstützung und begleiten die Umsetzungen kurz-, mittel- und langfristig. Die Partnerschaft und Beratung von Expert*innen durch das Fairtrade-System schafft Empowerment und eigene Verantwortlichkeit im Anbau. Die Wirkung ist messbar und durch Studien belegt. Fairtrade liefert klare Strukturen, belegbare Erfolge und echte Perspektiven für die Menschen im Kakaoanbau. Statt kurzfristige Lösungen zu schaffen, sind Fairtrade-Produzent*innen langfristig resilient gegen Krisen. Die stetige Zusammenarbeit von Bäuerinnen, Bauern und Beschäftigten in den Anbauländern mit Unternehmen und den Menschen, die ihre Produkte kaufen, schafft seit Jahrzehnten Zukunftsfähigkeit.
Für Kakaoproduzent*innen wie Dora Atiiga und ihren Mann Mbawin Moses ist der Kakaoanbau die wichtigste Existenzgrundlage.
Steigende Kakaopreise sind ein Problem für Schokoladenhersteller, weshalb diese zunehmend auf günstigere Alternativen zurückgreifen. Was spricht für echten Fairtrade-Kakao?
Kakao hat ein einzigartiges Geschmacks- und Qualitätsprofil, das Alternativen aktuell nicht imitieren können. Schokolade ist ein hoch emotionales Produkt und hat den größten Marktanteil in der Süßwarenindustrie in Deutschland. Hierbei steht für Konsument*innen der Geschmack an erster Stelle, weshalb sie in dieser Hinsicht ungern Kompromisse eingehen, das zeigt auch eine Studie. Der Geschmack zählt also als eine der größten Hürden zur Vermarktung der Alternativen (zum Artikel auf fooddive.com). Die Umstellung auf Alternativen ist ein Risiko, wenn sie als Qualitätseinbuße und reine Kostenersparnis gesehen wird.
Wir beobachten die Entwicklungen und verfolgen wie sich Unternehmen, die von Kakao auf Ersatzprodukte umsteigen, positionieren. Mit Fairtrade Kakao haben Unternehmen eine Investition in stabile, langfristige Lieferketten. Unternehmen, die heute auf Fairtrade setzen, vermeiden morgen Risiken wie Lieferengpässe, regulatorische Verstöße oder Reputationsschäden.
In Ghana und Côte d’Ivoire ist Kakao mehr als ein Rohstoff – es ist eine wirtschaftliche Lebensader.
Welche Folgen hat eine abrupte Reduktion der Kakaoabsätze durch Schokoladenalternativen für Kakaobäuerinnen und -bauern?
In der Elfenbeinküste beispielsweise ist Kakao nicht nur ein Rohstoff, sondern eine wirtschaftliche Lebensader: Der Kakaosektor trägt rund 15 bis 20 Prozent zum nationalen Brutto-Inlands-Produkt (BIP) bei. Zum Vergleich: In Deutschland müsste man mehrere Schlüsselindustrien – Automobilindustrie, Maschinenbau/Elektrotechnik und Chemie/Pharma – zusammenzählen, um auf einen ähnlichen Anteil am BIP zu kommen.
Wenn Kakaoalternativen signifikante Marktanteile gewinnen und die Nachfrage nach echtem Kakao sinkt, sind viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die ohnehin an der Armutsgrenze leben, unmittelbar betroffen. Das gilt besonders für Nicht-Fairtrade-Kakaoproduzent*innen. Kakao ist häufig ihre einzige Einnahmequelle. Um Einkommen aus anderen Quellen generieren zu können, braucht es Zeit und Unterstützung.
Zudem zwingt ein sinkendes Einkommen Familien unter Umständen dazu, ihre Kinder auf das Feld statt in die Schule zu schicken. Armut ist die häufigste Ursache von ausbeuterischer Kinderarbeit. Auch Umweltprobleme wie Entwaldung könnten sich verschärfen, weil die kleinbäuerlichen Familien alternative Einkommensquellen suchen oder ihr Land intensiver nutzen müssen.
Eine sinkende Nachfrage nach Kakao löst die bestehenden Probleme also nicht – im Gegenteil: Die Situation der Bäuerinnen und Bauern verschlechtert sich und Probleme könnten wieder zunehmen.
Elodie Vermeersch ist Kakaoexpertin bei Fairtrade Deutschland. (c) Fairtrade
Inwieweit und wie setzt sich Fairtrade bereits im Kakaosektor für Kinderschutz und Walderhalt ein?
Fairtrade hat den Vorteil von 30 Jahren Erfahrung im Kakaosektor und arbeitet auf mehreren Ebenen: Ökonomisch, sozial, ökologisch und politisch.
Der Fairtrade-Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie reduzieren Armut, was, wie zuvor dargestellt, eine der Hauptursachen für Kinderarbeit und Entwaldung ist. Die Child-Labour-Monitoring-Systeme, das Verbot der ausbeuterischen Kinderarbeit, die Sensibilisierung für Kinderrechte und Schulungen und die lokalen Kindesschutzkomitees identifizieren und verhindern Risiken für Kinderarbeit. Strenge Vorgaben zu Wald- und Umweltschutz, die klimaresiliente und biodiversitätsfördernde Anbaumethoden unterstützen, sind ebenfalls Teil der Fairtrade-Standards. Agroökologie wird über eine offizielle Policy gefördert. Auf politischer Ebene unterstützt Fairtrade Farmer*innen dabei, ihre Rechte gegenüber Regierungen und Unternehmen zu stärken.
Ein schönes Beispiel zur Förderung von Agroforstsystemen ist das Projekt „Sankofa“, bei dem es darum geht einen funktionierenden Kreislauf zu schaffen. Zusätzlich zu Kakaobäumen pflanzen die Bäuerinnen und Bauern Schattenbäume, die die Biodiversität fördern und den Boden anreichern. Zusätzlicher Vorteil: Die Kooperativen haben durch die Früchte der Schattenbäume weitere Einkommensquellen und sind weniger abhängig von der Kakaoernte. Agroforstwirtschaft braucht zwar Zeit, bis es wirkt, aber es löst viele Probleme und schafft Sicherheit.
Das Ziel von Fairtrade ist eine Landwirtschaft, die sowohl ökologisch tragfähig als auch sozial gerecht ist.
Bilder: (c) Fairtrade / Nipah Dennis
Kakao, der eine ganze Region stärkt
Im hügeligen Hinterland der Dominikanischen Republik, dort, wo sich Kakaobäume unter dem warmen karibischen Licht verzweigen, beginnt der Tag von Kakaobauer Wilder Nahui früh. Zwischen den schattigen Baumreihen seiner Parzelle zeigt sich schnell: Kakao ist für ihn weit mehr als ein landwirtschaftliches Produkt. Er ist Lebensgrundlage, Tradition – und Zukunftsperspektive zugleich. Wilder ist Mitglied der Kooperative FUNDOPO, die seit über zwei Jahrzehnten den Bio-Kakaoanbau in der Region prägt. Was einst mit einer kleinen Gruppe engagierter Kleinbäuerinnen und -bauern begann, ist heute eine starke Organisation, die das Leben tausender Menschen verbessert. Seit 2008 offiziell als Stiftung anerkannt, wächst FUNDOPO kontinuierlich weiter – als wirtschaftlicher Anker und sozialer Motor ländlicher Gemeinden.
Wilder Nahui – Kakao-Farmer der FUNDOPO
Nachhaltiger Kakaoanbau – ein Fundament für die Zukunft
Für Wilder hat ökologisch produzierter Kakao eine klare Bedeutung: „Rund 80 Prozent unseres Einkommens stammen aus Bio-Kakao“, erzählt er. „Wenn wir nachhaltig arbeiten, bekommen wir bessere Preise, schützen die Umwelt und können langfristig planen.“
Die Mitglieder von FUNDOPO setzen auf agroforstwirtschaftliche Mischkulturen, das heißt, die Kakaobäume werden gemeinsam mit hohen Schattenbäumen, Zitrusfrüchten, Avocados und zahlreichen heimischen Arten angepflanzt. Dieser vielseitige Anbau schützt Bodengesundheit und Biodiversität und macht die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels.
Wachsendes Wissen für gemeinschaftliche Veränderung
Damit nachhaltige Landwirtschaft nicht nur ein Ziel, sondern gelebte Praxis ist, investiert FUNDOPO stark in Wissensvermittlung. Workshops und Sensibilisierungskampagnen vermitteln Know-how zu Biodiversität, ökologischer Bewirtschaftung, biologischer Schädlingskontrolle sowie Wasser- und Abfallmanagement. So wächst nicht nur der Kakao sondern auch das Bewusstsein für nachhaltige Produktionsweisen. Seit 2023 lernen die Produzent*innen in neu eingerichteten Modellgärten praxisnah, wie gezielte Pflegemaßnahmen Ertrag und Qualität steigern. Zwei eigene Baumschulen versorgen die Mitglieder zudem mit kostengünstigen Kakaosetzlingen. Sie stehen für Vielfalt statt Monokultur – und für neue Chancen.
Gemeinschaft, Transparenz und Vertrauen
„Bei FUNDOPO haben wir aus der Vergangenheit gelernt, dass Verantwortung und Entscheidungshoheit auf mehrere Schultern verteilt sein sollten“, so Wilder. Seit 2020 setzt die Kooperative deshalb verstärkt auf transparente, partizipative Organisationsführung. Entscheidungen über die Verwendung der Fairtrade-Prämien werden demokratisch getroffen. Auch junge Menschen werden aktiv einbezogen, und Produzent*innen erhalten soziale Unterstützung, wenn sie sie benötigen. So entsteht ein Gemeinschaftsgefühl.
Fairtrade-Prämien, die eine ganze Region verändern
Die Geschichte von FUNDOPO ist eng mit der Fairtrade-Prämie verbunden. die sichtbare Verbesserungen im Alltag vieler Menschen ermöglicht. Pro Quintal Bio-Kakao erhalten die Mitglieder 250 Dominikanische Pesos in bar. Dieses zusätzliche Einkommen ermöglicht es, Parzellen zu pflegen, Investitionen zu tätigen und finanzielle Engpässe abzufedern. Die Fairtrade-Prämie stärkt nicht nur Betriebe – sie stärkt ganze Gemeinschaften:
Wege werden instand gehalten, sodass schwere Kakaosäcke leichter zur Sammelstelle transportiert werden können.
Seit 2020 versorgen acht neue Wasserstellen mehrere Dörfer mit fließendem Wasser. Mehr als 4.700 Menschen müssen ihr Wasser nun nicht mehr kilometerweit tragen – ein enormer Gewinn für Lebensqualität und Gesundheit.
Die Prämie ermöglicht die Finanzierung von Schulmaterialien, Schuhen und Laptops, medizinischer Unterstützung für bedürftige Mitglieder sowie Sport- und Freizeitprogramme.
Einblicke in die Kooperative FUNDOPO und der Instandhaltung der Wege gibt es hier im Video:
Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus
Die Arbeit von Wilder und seinen Kolleg*innen bleibt nicht im Ursprung verborgen. EcoFinia, Hersteller der Bio-Schokoladenmarke iChoc, hat ein Transparenzsystem entwickelt, das Verbraucherinnen zeigt, woher ihr Kakao stammt. Über einen QR-Code auf der Verpackung gelangen Konsument*innen auf eine interaktive Weltkarte – dort erscheinen Gesichter und Geschichten der Kakaoproduzenten, wie Wilder. Zudem löst jeder QR-Scan automatisch eine Spende für Projekte in den Gemeinden aus. So konnten bereits Wasserleitungen und ein Aquädukt gebaut werden – Projekte, die von der Bevölkerung selbst ausgewählt wurden. Jede Tafel iChoc trägt so ein Stück Herkunft mit sich. Dieses „Farmer-to-Bar“-Konzept wurde 2026 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Die Verbindung zwischen Feld und Tafel
Der Fairtrade-Partner EcoFinia zeigt: Fairtrade-Schokolade kann mehr sein als Genuss. Sie kann Einblicke schaffen, Transparenz fördern und faire Lieferketten sichtbar machen. Vor allem aber kann sie Menschen wie Wilder Nahui würdigen – nicht als anonyme Lieferanten, sondern als Partner*innen auf Augenhöhe.
Copyright: EcoFinia, Pronatec und FUNDOPO
FairActivists x J.J. Darboven: Ein Blick hinter die Kulissen des fairen Kaffees
Von Hollis, FairActivist
Ende Oktober haben Hanna, Max und ich (Hollis) als FairActivists gemeinsam mit dem traditionsreichen Hamburger Kaffeeunternehmen J.J. Darboven einen spannenden Kaffee-Workshop organisiert. Über die Zusammenarbeit haben wir uns besonders gefreut: Als international tätige Großrösterei führte J.J. Darboven bereits 1993 Fairtrade-Kaffee in sein Sortiment ein – und gilt damit als echter Fairtrade-Pionier. Mit dabei waren außerdem je zwei Vertreterinnen der Jungen Union Hamburg sowie der Grünen Bürgerschaftsfraktion Hamburg.
Zu Beginn haben wir uns und Fairtrade kurz vorgestellt, um danach mehr auf faire Lieferketten und Kaffee einzugehen. Dabei ging es um grundlegende Fragen: Was genau macht Fairtrade? Warum sind faire Lieferketten so entscheidend? Und welche Bedeutung hat Kaffee auf dem deutschen Markt? Um das Thema noch mehr zu verinnerlichen, folgte eine ausführliche Produktionsführung durch das Unternehmen. Von der Anlieferungen über das Rösten und Mahlen bis hin zum Verpacken konnten wir jeden Schritt hautnah miterleben. Besonders beeindruckend war zu sehen, wie präzise alle Arbeitsschritte ineinandergreifen und wie viel Know-how in einer einzigen Tasse Kaffee steckt.
Nach dieser eindrücklichen Führung haben wir uns zusammengesetzt und über aktuelle Entwicklungen ausgetauscht, etwa zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) oder zur EU Deforestation Regulation (EUDR). Dabei haben wir diskutiert, welche Verantwortung Unternehmen in globalen Lieferketten tragen und wie politische Rahmenbedingungen sie dabei unterstützen können. Gleichzeitig haben wir darüber gesprochen, was wir auf lokaler Ebene in Hamburg bewegen können, beispielsweise durch die Fairtrade-Town Hamburg, zahlreiche Fairtrade-Schools oder das Engagement junger Menschen, die das Thema sichtbar machen und weitertragen.
Zum Abschluss wurde es praktisch: In einem Workshop durften wir selbst Espresso zubereiten und uns im Latte Art versuchen. Dabei hatten wir nicht nur viel Spaß, sondern konnten uns auch in entspannter Atmosphäre weiter austauschen. Als kleines Dankeschön erhielten alle eine Tüte mit verschiedenen Fairtrade-Produkten, ein schönes Andenken und ein greifbarer Impuls, das Gelernte mit nach Hause zu nehmen.
Ein herzliches Dankeschön an J.J. Darboven, die Junge Union Hamburg und die Grüne Bürgerschaftsfraktion Hamburg für die spannenden Einblicke und den bereichernden Austausch! Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam einen so gelungenen Workshop rund um fairen Kaffee gestalten konnten.
Paraguayische Kleinbäuerinnen & -bauern verändern den Zuckermarkt
Etwa 70 Kilometer entfernt von Asunción, der Hauptstadt Paraguays, liegt im Südwesten des Landes Arroyos y Esteros – zu Deutsch „Bäche und Sümpfe“. Das abgelegene Dorf inmitten des subtropischen Klimas ist Sitz der Kleinbauernkooperative Manduvirá. Hunderte Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bewirtschaften hier ihre Zuckerrohrfelder. Das Klima ist ideal, doch die isolierte Lage und ungerechte Handelsbedingungen brachten lange Zeit große Herausforderungen mit sich. Jahrzehntelang mussten die Landwirt*innen ihr Zuckerrohr zu weit entfernten, privaten Mühlen bringen, welche die Preise diktierten und den größten Teil der Gewinne einbehielten.
Blanca Medina – Produzentin der Manduvirá Kooperative
Der Start einer süßen Erfolgsgeschichte
1975 entschieden einige Lehrer*innen und Landarbeiter*innen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie gründeten die Kooperative Manduvirá. Was als kleine Spar- und Kreditgenossenschaft begann, ist heute ein Vorzeigeprojekt für selbstbestimmte Entwicklung durch fairen Handel. Die Geschichte von Manduvirá zeigt, wie Gemeinschaft, Mut und Fairness eine Region verändern können.
Vom Traum zur eigenen Zuckermühle
Mit der Fairtrade-Zertifizierung im Jahr 1999 erhielt Manduvirá erstmals Zugang zu fairen Preisen und stabilen Handelsbeziehungen. Mittlerweile exportiert sie fast ihre gesamte Jahresproduktion von 4.000 Tonnen Zucker an Fairtrade-Kunden in 18 Ländern. In Verbindung mit der Fairtrade-Prämie konnten die Mitglieder ihre Produktion verbessern, in ihre Betriebe investieren und das Leben in ihrer Gemeinde Schritt für Schritt verändern. Doch eine große Herausforderung blieb: Der Transport zur nächsten Mühle – über 100 Kilometer auf unbefestigten Straßen – war teuer und aufwendig. Mit dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und Kontrolle über ihre Produktion fassten die Mitglieder einen mutigen Plan: Der Bau einer eigenen Zuckermühle.
„In Paraguay sagten die Leute: ‚Ihr seid arm. Ihr seid verrückt. Ihr werdet niemals in der Lage sein, Zucker direkt zu verkaufen oder zu exportieren oder daran zu denken, eine eigene Zuckermühle zu haben,“ erinnert sich Andrés González, Geschäftsführer der Manduvirá-Kooperative.
Der Wendepunkt für mehr Selbstbestimmung
Der Weg zur Mühle war gespickt mit Vorurteilen, vielen Barrieren und Gegenwind der großen, privaten Zuckerfabriken. Mit viel Herzblut und Arbeit sowie mithilfe der Fairtrade-Prämie, nationalen und internationalen Krediten und dem Fairtrade Access Fund wurde der Traum Wirklichkeit: 2014 nahm die erste Fairtrade-zertifizierte Bio-Zuckermühle der Welt im Besitz von Produzent*innen ihren Betrieb auf. „Unser Traum einer Zuckermühle im Besitz der Kooperative anstatt privaten Unternehmern ist in Erfüllung gegangen“, meint der Geschäftsleiter von Manduvirá, Andres Gonzales, zu dieser Errungenschaft.
Seitdem verarbeiten und exportieren die Mitglieder ihren Zucker selbst – unabhängig von Zwischenhändler*innen, zu fairen Bedingungen und in eigener Verantwortung. Die Mühle bietet zudem rund 200 Arbeitsplätze, viele davon für junge Menschen, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind. „Die Kooperative generiert neue Arbeitsplätze. Dank der eigenen Zuckermühle ergeben sich neue Möglichkeiten für Mitglieder, Nicht-Mitglieder und die gesamte Gemeinschaft“, erklärt Teresa Alejandra Pereira, Sekretärin der Kooperative Manduvirá.
Fairer Zucker, starke Gemeinschaft
Für die rund 1.700 Mitglieder der Kooperative bedeutet die eigene Mühle mehr Unabhängigkeit, mehr Einkommen und mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Sie entscheiden gemeinsam, wie die Gewinne und Fairtrade-Prämien verwendet werden. Mit den Einnahmen finanziert die Kooperative Projekte, die das Leben in Arroyos y Esteros nachhaltig verbessern und die Gemeinschaft stärken:
Ein Gesundheitszentrum mit Ärzt*innen und Zahnarztpraxis,
Bildungsangebote und Schulmaterialien für Kinder und Jugendliche,
Investitionen und Unterstützungen für Schulen,
Investitionen in sauberes Trinkwasser und sichere Wohnverhältnisse,
sowie die Renovierung der Häuser der Kooperativen-Mitglieder.
Ein Teil der Fairtrade-Prämie wird direkt an die Mitglieder ausgezahlt, damit auch schwierige Zeiten zwischen den Ernten überbrückt werden können. So bleibt das, was erwirtschaftet wird, in der Gemeinschaft. Die Geschichte von Manduvirá zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung kein Widerspruch ist– sondern die Grundlage für eine faire Zukunft.
Wenn Fairness den Geschmack bestimmt
Der Zucker aus Manduvirá findet heute seinen Weg in viele Länder – auch nach Deutschland. Er ist beispielsweise Bestandteil des „Cookies & Cream“-Pulvers von koawach, das fairen Handel mit genussvollem Geschmack verbindet. Dahinter steht eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die zeigt: Genuss beginnt dort, wo alle profitieren – vom Anbau bis zur Tasse. Das „Cookies & Cream“-Pulver ist nun auch deutschlandweit bei dm erhältlich – mit fairem Zucker aus Manduvirá.
„Für mich bedeutet Unternehmertum, Verantwortung zu übernehmen – für Menschen, Umwelt und die Zukunft unseres Planeten. Fairtrade ist für mich kein Marketing-Siegel, sondern ein grundlegender Teil unserer Mission,“ sagt Daniel Duarte, Gründer von koawach.
Bilder (c) CLAC und koawach
tic tac von Ferrero: Neu jetzt mit Samen als tic tac Seeds
Jahr für Jahr machen verrückte tictac-Sondereditionen auf die kleinen süßen Pillen aus Zucker aufmerksam. Kaum einer weiß, dass tictac zu Ferrero gehört – die machen […]
Der Beitrag tic tac von Ferrero: Neu jetzt mit Samen als tic tac Seeds erschien zuerst auf naschkater.com – das Süßigkeiten-Marketing-Blog.