Interview mit Kakaobäuerin Deborah Osei-Mensah: „Wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt“

Deborah Osei-Mensah arbeitet seit sechs Jahren als Kakaobäuerin in Asuadai, einem kleinen Ort in Ghana. Neben ihrem Beruf studiert sie den Master „Environment, Water and Sustainability“ und ist Fairtrade-Botschafterin. Wir haben mit ihr über die Weltklimakonferenz gesprochen, über die Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Farm und wie sich ihre Arbeit durch Fairtrade verändert hat.

Was magst du an deinem Job?

Ich liebe einfach die Landwirtschaft, vor allem die Erntezeit. Wenn ich die Kakaofrüchte ernte, freue ich mich jedes Mal, dass sich die harte Arbeit des ganzen Jahres gelohnt hat.

Hattest du schon immer so viel Spaß daran?

Leider nicht. Als Kind musste ich oft noch vor der Schule auf der Farm meiner Eltern aushelfen. Das war sehr stressig und ich kam oft zu spät zum Unterricht. Damals wollte ich auf keinen Fall Bäuerin werden – aber jetzt sehe ich, wie wunderschön und lohnenswert der Beruf ist.

Du arbeitest auf einer Farm in Ghana, die seit 2012 zu einer Fairtrade-Kooperative gehört. Was hat sich seit der Zertifizierung für euch geändert?

Fairtrade unterstützt uns mit verschiedenen Projekten, damit wir produktiver, nachhaltiger und qualitativ besser arbeiten können. Das ist gut für mein Business. Es gibt nun zum Beispiel weniger Kinderarbeit auf den Farmen, weil Kinder zur Schule gehen sollen. Außerdem werden Frauen dazu ausgebildet, Farmen zu führen und so auch am Gewinn teilzuhaben. Das war früher nicht so: Die Frauen haben zwar auf der Farm geholfen, aber der Mann hat die Ernte verkauft und deshalb das Geld bekommen. Heute ist fast die Hälfte der Farmen meiner Kooperative in den Händen von Frauen.

Durch den Mindestpreis von Fairtrade ist der Kakaoanbau für uns zu einem Beruf geworden, der profitabel ist. Unserer Kooperative schließen sich deshalb immer mehr Menschen an: 2012 waren wir etwa 1.000 Mitglieder, heute sind es mehr als 9.500.

Neben deinem Beruf bist du auch Fairtrade-Botschafterin und wurdest auf der Weltklimakonferenz in Glasgow digital zugeschaltet, um mit Politiker*innen über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf Farmer zu sprechen. Wie hast du die Konferenz erlebt?

Ich hätte mir mehr konkrete Ziele und Pläne anstelle von Reden gewünscht. Jetzt ist die Zeit zu handeln, wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt! Ich hoffe, dass das den Politiker*innen bald bewusst wird und sie auch an die Menschen denken, die besonders stark von den Veränderungen betroffen sind.

Wie verändert der Klimawandel deine Arbeit?

Das Wetter ist viel extremer geworden: Es brechen einerseits immer häufiger Feuer aus, die unsere Pflanzen zerstören. Andererseits kommt es auch öfter zu Überflutungen, bei denen Menschen aus ihren Häusern fliehen müssen. Das Wasser sorgt dafür, dass es mehr Schädlinge und Krankheiten auf unseren Kakaobäumen gibt. Dadurch fällt die Ernte deutlich kleiner aus.

Und wie gehst du auf deiner Farm dagegen vor?

Ich versuche, sie klimaresilienter zu gestalten: Bei der Agroforstwirtschaft pflanzen wir zum Beispiel viele verschiedene Bäume neben unseren Kakaopflanzen. Diese sorgen für Schatten und schützen den Kakao vor Wind. Aber es ist teuer, die verschiedenen Maßnahmen umzusetzen. Dadurch steigen die Produktionskosten für die Bäuer*innen und ihr Gewinn wird niedriger.

Was können wir als junge Engagierte in Deutschland tun?

Projekte, die die Farmen resilienter machen, können noch nicht überall umgesetzt werden. Wenn ihr mehr Fairtrade-Produkte kauft und der Markt wächst, gäbe es auch mehr Geld, um mehr solcher Projekte durchzuführen. Außerdem ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, wie es den Kakaobäuer*innen geht und welche Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Arbeit hat.

Was sind deine Wünsche für den Kakaoanbau in der Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es bald noch mehr Kakaofarmen gibt und unsere Arbeit so professionalisiert und lohnenswert ist, dass sie auch attraktiv für die Jugend wird. Hoffentlich sind wir dann auch so weit, dass Farmer bei den politischen Entscheidungen mitreden können, die sie betreffen. Das ist aktuell leider noch nicht der Fall.

Außerdem hoffe ich, dass sich das Narrativ von Bäuer*innen verändern wird: Es ist ein toller Beruf, der viel Freude macht und viel Wissen verlangt – und nicht etwas, was man nur tut, weil man nichts anderes kann oder gelernt hat.

Das Interview führten Rebecca Wolfer und Katharina Lang gemeinsam im Rahmen der COP26 durch. 

In der nachfolgenden Bildergalerie sind Kakaobäume von Deborah Osei-Mensah zu sehen.