Eine Woche in Nairobi

Endlich nach 3 Jahren konnte die Fairtrade Familie wieder zusammenkommen. Erstmals fand die Fairtrade International Generalversammlung (GA) in Afrika statt. Die Fairtrade Bewegung versucht aus dieser Woche möglichst viele gewinnbringende Verabredungen und Einigungen zu erzielen, sodass die Zeit recht durchgetaktet ist. Daher bestand die „GA-Woche“ aus vielen unterschiedlichen Elementen: Teambuilding der globalen CEO’s, Partnerbesuchen auf einer Rosenfarm, einer Kaffee- und einer Teekooperative, Vorbereitenden Treffen zur GA in unterschiedlichen Konstellationen (CEO-Meeting = alle Geschäftsführenden Menschen der 22 Fairtrade International Mitgliedsorganisationen, NFO-Meeting = Treffen aller Marktorganisationen, Chairs-Meeting = Treffen aller Vorstände aller FI-Mitgliedsorganisationen; FI Board Meeting, CAN-Meeting = Treffen der Delegierten und CEOs von CLAC, FTAfrica & NAPP) sowie der eigentlichen Mitgliederversammlung. Abgerundet wurde die Woche von dem Fairtrade Africa „Change Day“ mit Austellungen, Workshops und Diskussionsrunden.   

Die deutsche Delegation bestand aus Klaus Piepel, Mitglied des Aufsichtsrates und zuständig für internationale Themen, Dieter Overath, langjähriger Vorstandsvorsitzender und Observer und mir als offizielle Delegierte von Fairtrade Deutschland. Wir hatten Laptops, Papiere, Wanderschuhe und einen „Deutschlandhut“ im Gepäck, leider aber zu wenig warme Kleidung. Unsere Vorstellung war, dass es in Afrika heiß sein müsse. Hinweise zum afrikanischen Winter und den Höhenmetern in Nairobi habe ich ignoriert…

CEO-Teambuilding

Fairtrade arbeitet in 79 unterschiedlichen Ländern, wir verbinden Produzentenländer mit Konsumentenländern und Jeder und Jede bringt seine und ihre Erfahrung in die Bewegung mit. Zusätzlich gab es nach 2,5 Jahren einige Wechsel in den Führungspositionen und auch für Deutschland stand der Wechsel von Dieter Overath zu unserem paritätischen dreiköpfigen Führungstrio an. Für eine erfolgreiche Arbeit in unserem globalen System ist das Verständnis für kulturelle Vielfalt und das Vertrauen der einzelnen Mitglieder zueinander unerlässlich. Um dieses zu stärken verbrachten wir einen Tag lang in den Bergen Kenias, übten uns in unterschiedlichen Perspektiven annehmen und gemeinsamen Strategieentwicklungen für gute Zusammenarbeit. Daneben haben wir Bäume gepflanzt und eine Höllentour auf einer Seilbahn (Ich bin nicht schwindelfrei – mein eigener ganz persönlicher Beitrag zum Thema Vertrauen) bewältigt.

Produzentenbesuch – Penta Flowers

Der Wochenstart begann mit einem Besuch bei Penta Flowers in Thika besucht. Penta ist seit 2002 Fairtrade-zertifiziert. 40% der verkauften Blumen kann unter Fairtrade verkauft werden.  Die Liste der Prämienprojekte ist sehr lang: Schulstipendien, Kleinkredite, Kinderbetreuung, verbilligter Zugang zu Kochgas, sauberen Wasser und Lebensmitteln, Fortbildungen, und weiteren sozialen, ökologischen und ökonomischen Projekten.

Es besteht eine starke Arbeiter*innenvertretung, die Gewerkschaft ist stark und gemeinsame Lohnverhandlungen sind gelernt. Penta Flowers ist gut durch die Pandemie gekommen, aber aufgrund des Krieges in der Ukraine sind konventionelle Märkte weggebrochen und die Fairtrade-Verkäufe gehen zurück. Ich habe Esther Wanza, unsere ehemalige Botschafterin der Aktion „Flower Power“ wiedergetroffen, die deutlich sagte: „Buy more Fairtrade!“. Meine Kollegen besuchten eine Kaffeekooperative und eine Teekooperative.

Meetingmarathon zur Vorbereitung der GA

General Assembly (GA)

Siehe Beitrag von Fairtrade International

Der ausschlaggebende Grund meiner Reise. Mitglieder des internationalen Fairtrade-Systems treffen sich einmal im Jahr zur Generalversammlung, der GA. Diese Versammlung setzt sich aus 50 Prozent Vertreter*innen der Produzentennetzwerke und 50 Prozent der nationalen Fairtrade-Organisationen (NFOs) zusammen und entscheiden über Mitgliedschaftsangelegenheiten, genehmigt den Jahresabschluss und verabschiedet neue Vorstandsmitglieder.

Die wichtigsten inhaltlichen Punkte waren:

– Stärkung der produzentengesteuerten Dienste im globalen Süden: Der gemeinsame NFO-PN-Vorschlag sieht vor, dass schrittweise mehr Dienstleistungen von den PN geleitet werden. Zu den möglichen Dienstleistungsbereichen gehören Fundraising, Partnerschaften und Süd-Süd-Handel.

– Fortschritte bei FairShare: Das Projekt, das darauf abzielt, die Effizienz zu steigern und Doppelarbeit bei Fairtrade International und FLOCERT zu reduzieren, stieß auf breite Zustimmung. Der Vorschlag, den FLOCERT-Aufsichtsrat aufzulösen, erhielt nicht die erforderliche 75 %ige Zustimmung, aber der Beschluss, einen separaten Unparteilichkeitsausschuss in die Satzung aufzunehmen, wurde angenommen. Wir kamen überein, dass die Diskussion über die beste Leitungsstruktur für Fairtrade International und FLOCERT fortgesetzt wird.

– Konstitutionelle Änderungen: Neben dem Unparteilichkeitsausschuss wurden auch die Honorare für die Vorstandsmitglieder sowie die Bestimmungen für elektronische Abstimmungen und hybride Sitzungen geändert.

– Die Delegierten der Generalversammlung genehmigten den geprüften Jahresabschluss 2021, entlasteten den Vorstand für das Jahr 2021 und ernannten die DHPG zum unabhängigen Rechnungsprüfer für das Jahr 2022.

– Bill Barrett wurde als NFO-Vertreter für eine zweite Amtszeit in den FI-Vorstand wiedergewählt.

„FAIR“ well

Am Donnerstagabend wurde dann gefeiert. Dieter Overath (unser Vorstandsvorsitzender, der am 1.7. in den Ruhestand geht) und Nyagoy Nyong’o, die interimsweise CEO bei Fairtrade International war, wurden gebührend verabschiedet – mit unseren Freund*innen vom Hope Theatre und einem gläsernen Award.

Change Day

Siehe LinkedIn Beitrag von FTA

Der letzte Tag startete mit einer Pressekonferenz, in der Lynette Thorstensen, Sandra Uwera und Isaac Tongala die Strategie darstellten und die CEOs von Belgien, Schweiz und Deutschland jeweils die Marktsituation für ein afrikanisches Produkt darstellten. Dieter Overath stellte Blumen vor.  Danach wurde die Ausstellung von verschiedenen Produzent*innen aus ganz Afrika eröffnet. Es gab Kaffee, Tee, Gewürze, Kosmetik und Handwerk zu betrachten – und auch einzukaufen. Das beste Beispiel für Süd-Süd Handel. Am Nachmittag  wurden nochmal Workshops durchgeführt, in denen Fairtrade Africa und Produzent*innen ihre Erfahrungen zu klimaresilienten Anbauweisen, EU-Regulierungen, Agroforst und Süd-Süd Märkten austauschten. Die Teilnehmer*innen verließen die Veranstaltung inspiriert und mit einem besseren Verständnis dafür, wie die Menschen im gesamten Fairtrade-Bereich daran arbeiten, eine faire Zukunft für alle zu schaffen.

Auch für mich war es eine inspirierende und erfolgreiche Woche. Danke für diese Erfahrung.